22. September 2017

Barbara Brandt: Der Mann an der Reling

an der Reling

Leider nicht packend…

Auf der Fähre von England nach Frankreich treffen Iris und Robert aufeinander. Iris kommt aus England, lebt aber in der Normandie, wo sie ein Landhotel betreibt. Robert ist auf der Suche nach Drehorten für Filmprojekte.

Einige Tage später ist Robert Gast in Iris kleinem Hotel und es beginnt eine wenige Tage dauernde Affäre – die mit der Entscheidung gegen ein gemeinsames Leben endet, denn Iris ist verheiratet.

Zehn Jahre später findet Iris ein Foto, auf dem Sally, ihre verstorbene Zwillingsschwester, mit Robert in eindeutiger Pose zu sehen ist. Das Foto ist aber merkwürdigerweise nur wenige Monate alt! Die entstehenden Fragen kann sich Iris zum Teil aus den Tagebüchern ihrer Schwester Sally beantworten. Weitere Teile versucht sie auf einer Reise nach England zusammenzusetzen.

In Rückblenden berichtet Iris viel später in einem Seniorenheim von ihrer verlorenen Liebe zu Robert, dem weiteren Verlauf ihrer Ehe und der Suche nach der Geschichte des Fotos. Dabei geraten Erinnerungen an Erlebnisse durcheinander, die Erinnerungen an Gefühle bleiben klar. Iris berichtet vom Freundeskreis, den sie mit ihrem Ehemann geteilt hat. Sie kannten interessante Personen, zumeist Einwanderer aus England wie Iris.

Über die Erinnerungen an die Lebenswege der Freunde entwickelt Iris einen Ablauf der eigenen Biografie.

Eine besondere Rolle spielt Iris´ Schwester Sally. Sie war in ihrer Depressivität immer ein besonderer Kontrast zu Iris, die lustig und schlagfertig für viele Späße zu haben war. Das Verhältnis der Schwestern zueinander entwickelt sich aus den gegensätzlichen Eigenschaften der beiden in besonderer Weise.

 

 

Der Plot der Geschichte hat seinen besonderen Reiz. Die Landschaft, die skurrilen Freunde, der Lebensentwürfe. Auch die Nachschau darüber, was aus diesen Lebensentwürfen wurde, ist eine wunderbare Idee. Der überwiegende Teil des Buches wird jedoch in den vier Tagen ihres Abenteuers miteinander bestritten. Für mich deutlich zu viel. Die verschobenen Erinnerungen von Iris wiederholen sich, werden undeutlich und schaffen es nicht, eine Geschichte durch ein Buch zu tragen. Dass Iris sich an den kuriosen Sex auf einem Rollwagen erinnert, kann sein, dass sie freimütig darüber berichtet, finde ich unglaubwürdig, so wie einige andere Details der Geschichte. Insbesondere eine der Familienkonstellationen, die für den weiteren Verlauf wichtig ist, ist für mich arg bemüht und schon sehr konstruiert.

 

Ich mag Liebesgeschichten, leider hat mich Iris mit ihrem „Mann an der Reling“ nicht gepackt.

 

Barbara Brandt

Der Mann an der Reling

Amazon publishing

ISBN: 978 150 3 9959 70

Über Klaus Daniel 143 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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