22. September 2017

Ein Jahr bloggen – Zeit für #Bloggerliebe!

by Sandra Zabel

Im April jährt sich zum ersten Mal unser „Geburtstag“ als Buchblogger. Was Klaus ursprünglich mal als fachlichen Blog geplant hatte, wurde in Zeiten einer beruflichen Umorientierung etwas ganz anderes: mit ersten Beiträgen, meine zunächst noch als Gastbeiträge, fing er an, über Bücher, das Lesen und besondere Leseerlebnisse zu schreiben.

Wir haben wohl beide nicht mit dem gerechnet, was sich in den nächsten Monaten daraus entwickeln würde. Die Tatsache, dass Stefanie Leo auf ihrem Blog Lesenlebenlachen die Blogparade #Bloggerliebe ins Leben gerufen hat,  möchte ich nun als Chance wahrnehmen, einfach mal „Danke!“ zu sagen. Stefanie Leo lädt dazu ein, der Wertschätzung für eigene Erlebnisse mit dem Blog, mit anderen Blogs und Bloggern Ausdruck zu verleihen. Ich finde, dies ist ein passender Rahmen für eine Rückschau auf ein Jahr Bloggen. Ich möchte hierbei gar nicht, wie vorgeschlagen, drei Blogs benennen, die mich besonders beeindrucken, sondern dreierlei benennen, was mir beim Nachdenken über unseren Blog so durch den Kopf ging. Es sind meine Gedanken, Klaus hat möglicherweise andere oder Ergänzungen oder gegenläufige Meinungen. Aber genau das ist dieser Blogbeitrag: über mein ganz eigenes Erleben erzählen.

1. Ich…

Gelesen habe ich immer. Mal mehr, mal weniger. Zu Schulzeiten auch mal „semi-freiwillig“. Damals gehörte die Interpretation, das Beantworten von Fragen zu einer Schullektüre fest dazu und war von mir, trotz guter Noten, nicht immer geliebt. Dass ich mich jetzt, mit Anfang 40, freiwillig hinsetze und meine Gedanken zu Büchern niederschreibe, hätte ich nicht für möglich gehalten, stand doch der Genuss beim Lesen deutlich im Vordergrund, und schließlich gibt es im Leben schon genug Verpflichtungen. Und ja, einen Blogbeitrag zu verfassen ist für mich Arbeit. Schon, wenn ich ein Buch lese, das ich anschließend vorstellen möchte, markiere ich wichtige Stellen. Danach wird, wie früher beim Lernen für eine Klausur oder bei der Vorbereitung eines Referats, Notizen gemacht mit dem Versuch, eigene Worte für das Gelesene zu finden. Und schließlich muss dies in eine möglichst ansprechende Fassung gebracht werden, einen roten Faden aufweisen, meine Meinung ausdrücken, aber auch die zugrunde liegenden Maßstäbe aufzeigen. Manchmal ist der Kopf so voll mit all dem, was ich sagen möchte, dass es schwer fällt, daraus einen Fließtext, quasi eine lineare Form meiner Gedanken, zu formulieren. Und manchmal wabern diffuse Empfindungen durch mein Gemüt, die Worte wollen gefunden werden und die Suche ist nicht immer einfach. All das ist anstrengend, und so muss ich auch immer mal wieder meinen inneren Schweinehund überwinden und mich aufrappeln zum Schreiben. Aber was das in mir auslöst, ist ungleich schöner: Ein Buch, egal ob Roman oder Sachbuch, auf diese Weise noch einmal zu reflektieren und mit mir in Verbindung zu bringen, ist quasi wie ein „Unterpflügen“ der Inhalte, meiner Interpretation und meiner Beziehung zu dem Buch. Ich bekomme noch einmal einen vertieften Zugang zu dem Gelesenen, und so beende ich Blogbeiträge fast immer müde, aber mit großer Zufriedenheit erfüllt. Natürlich möchte ich gern, dass meine Beiträge gelesen werden, am liebsten mit positiver Resonanz. Aber mir gibt schon das Schreiben an sich eine ganze Menge zurück, verankert das Gelesene, setzt Gedanken und Fragen in Gang.

2. …und die anderen

Die anderen, das fängt schon im selben Haus an. Klaus und ich betreiben diesen Blog gemeinsam. Wir lesen Unterschiedliches, wir sind unterschiedlich und so unterschiedlich sind auch unsere Blogbeiträge. Die anderen, das sind aber auch so einige Bücherblogs, die wir im Laufe des Jahres kennen- und schätzen gelernt haben. Blogs, die liebevoll und sorgsam Bücher vorstellen, von deren Existenz ich sonst niemals erfahren hätte. Meine Buchauswahl hat sich in den vergangenen Monaten stark verändert, ganz einfach, weil andere Blogs mich auf Bücher neugierig machen. Es gibt mehrere Blogs, die wir inzwischen regelmäßig lesen. Einige davon haben wir unter dem Stichwort „Lesezeichen“ gelistet.

Vor einem knappen Jahr, also ganz zu Beginn unseres „Blogger-Daseins“, startete Sandro Abbate auf seinem Blog  Novelero die Blogparade „Warum ich lese“. Viele beteiligten sich, es entstanden berührende und sehr persönliche Einblicke in völlig unterschiedliche Lesebiografien. Und Sandro Abbate ging weiter, trat an den Indie-Verlag Homunculus heran und auf einmal wurde aus den Blogbeiträgen ein Buch. 40 Liebeserklärungen an das Lesen finden sich hier. Bei der Book-Release-Party am 18.03.2017 in dem wunderschönen Buchladen mit Chocolaterie von Fräulein Schneefeld und Herrn Hund wurde das Buch losgelassen. In gemütlicher und entspannter Atmosphäre gab es kulinarische Genüsse, Musik und die Möglichkeit, einige Blogger kennen zu lernen, die wir sonst nur über die sozialen Medien und ihre Blogs erlebten. Einige von ihnen lasen ihre Beiträge vor, viele angenehme Gespräche entstanden und da Fräulein Schneefeld und Herr Hund die Kasse noch nicht abgeschlossen hatten, konnte auch das eine oder andere Buch oder das eine oder andere schokoladehaltige Genussmittel erstanden werden. Eigentlich war es ausgesprochen verrückt, für eine solche Veranstaltung die 450 km von Hamm nach Berlin zu preschen. Uneigentlich hat es uns einen tollen Abend und sehr nette Kontakte beschert.

Was ich sagen will: Unser Blog bringt uns in Kontakt mit Menschen, die unsere Leseliebe teilen. Diese Kontakte entstanden und entstehen so schnell und unkompliziert, dass ich nicht anders als mich herzlich freuen kann, wie offen die Bloggerszene ist, wie anregend und inspirierend. Dass aus diesen Kontakten hervorgeht, das eigene Geschriebene mal gedruckt zu sehen, hätte ich niemals für möglich gehalten. Und ja, ein wenig stolz bin ich darauf.

3. Und wie weiter?

Das Bloggen hat also nicht nur das Lesen und das Reflektieren über das Gelesene verändert, es hat auch offen gemacht für Überraschendes, für neue Begegnungen und für das Ausprobieren von Neuem. Viel Positives ist dabei passiert. In der vergangenen Woche haben Klaus und ich im Rahmen der „Leipzig liest“-Aktion der Leipziger Buchmesse bei einer Lesung der Indie-Verlage Homunculus und Duotincta mitgewirkt und unsere Beiträge zu dem Buch „Warum ich lese“ vorgetragen. Dies ist auch so eins von den Erlebnissen, mit denen ich vor einem Jahr niemals gerechnet hätte.

Bei all dem Neuen stoße ich dann aber auch ab und zu an meine Grenzen. So stelle ich fest, dass ich den Buchmessen nicht viel abgewinnen kann. Mein Eindruck, der bereits bei der Frankfurter Buchmesse 2016 aufkam, verstärkte sich bei der Leipziger Buchmesse zunehmend. Mir ist der Rummel zu viel, der allgegenwärtige Lärmpegel stresst mich, ich bin genervt, wenn die Menschenmenge so riesig ist, dass ich kaum vorankomme und gelegentlich Tritte und Ellbogenstöße  abbekomme. Es geht nicht einher mit dem, was ich sonst mit Lesen, Büchern und Bücherkaufen verbinde: Ruhe, maximal eine leise Diskussion mit dem Buchhändler, ein paar Seiten eines neuen Buches auf sich wirken lassen. Die Diskrepanz ist zu groß.

Und so war die Leipziger Buchmesse 2017, zumindest in diesem Rahmen, für mich die letzte. Klaus hatte großen Spaß, und ich werde ihn sicherlich auch zukünftig begleiten. Aber dann werden sich tagsüber unsere Wege trennen, Frankfurt und Leipzig haben ja auch sonst eine Menge zu bieten. Vielleicht gönne ich mir dann für spannende Veranstaltungen mal eine Tageskarte. Und was eines der wichtigsten Themen der Buchmessen betrifft, das der Begegnung, so hoffe ich darauf, diese auch in anderen Veranstaltungen machen zu können.

Und noch eins muss ich austarieren: Der Blog bindet Zeit und Energie. Er bereichert mich sehr, das auf jeden Fall. Aber da gibt es noch mehr in meinem Leben, dem ich Raum geben möchte: Freunde, Familie, andere Hobbies, und einer Arbeit gehe ich ja auch noch nach. Bei all der Begeisterung für den Blog, dem Bloggen und all dem, was wir durch und mit dem Blog erleben, gilt es auch hier, eine sinnvolle Grenze zu ziehen. Weitere Aktionen neben dem Schreiben werde ich genau aussuchen und einen Abgleich machen mit dem, womit ich sonst noch Zeit verbringen möchte.

Aber auch: Immer wieder stelle ich fest, dass ich Lust auf diesen Blog habe, gerne Zeit damit verbringe und Gedanken dazu wälze. Dass ich Lust darauf habe, besser zu werden, besser zu schreiben, mehr zu lernen und umzusetzen, kurz: mich weiterentwickeln. Auch das möchte ich einbinden, nicht stillstehen.

Anders gesagt: Der Blog hat seinen Platz in meinem Leben erobert. Er ist eine enorme Bereicherung, er erweitert nicht nur den geistigen, sondern auch den persönlichen Horizont. Nach einem Jahr sind die ersten Erfahrungen gemacht, die ersten Frustmomente (denn auch die gab es reichlich, einschließlich des Gedankens, alles hinzuwerfen) überwunden, der Reiz des Neuen nutzt sich ab. Nun etabliert sich das Bloggen in mein Leben und an der ein oder anderen Stelle muss ein wenig justiert werden. Aus der anfänglichen Begeisterung ist wohl im wahrsten Sinne eine #Bloggerliebe geworden.

Es ist Zeit für ein „Danke!“, von ganzem Herzen. Für das, was der Blog an Bereicherung bringt, was er in mir hervorkitzelt. Aber auch für die Menschen, bekannter- und unbekannterweise, die die Liebe zu Büchern und zum Bloggen teilen und denen ich mich daher in gewisser Weise verbunden fühle. Deswegen auch „Danke!“ an Stefanie Leo, deren Blogparade der Anstoß war, all diese Gedanken einmal zu formulieren.

 

 

 

Über Andrea Daniel 51 Artikel
Bibliophil, kunstaffin und reisebegeistert bloggt Andrea über Bücher, Bücherreisen und anderes.

2 Kommentare zu Ein Jahr bloggen – Zeit für #Bloggerliebe!

  1. Ganz herzlichen Dank!
    Ja, wir sind wirklich erst ein Jahr dabei. Aber es ist auch von Vorteil, zu zweit zu bloggen: der Kritiker, der die Beiträge noch vor der Veröffentlichung durchsieht, sitzt direkt am Tisch gegenüber. Und den Rest machen wir durch Begeisterung wett. 😉

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