23. Oktober 2017

Fiona Blum: Frühling in Paris

Hach, Paris: La Vie, l´amour et Macarons. Oder so. Aber bis es soweit ist, muss Louise, die aus London nach Paris zieht, um ihr Erbe – eine alte Bäckerei und eine kleine Wohnung unter dem Dach – anzutreten, noch viel lernen.

In der Rue d´Estelle, in der sich die alte Bäckerei befindet, lebt ein kleine Gesellschaft von Menschen, in der jede*r ganz eigene Probleme zu bewältigen hat. Louise passt mit einer Lebensgeschichte, in der sie gelernt hat, Schwierigkeiten auszuweichen und sich ihr Ausweichverhalten schön zu reden, besonders gut in die Rue d´Estelle.

Fast wäre der Frühling in Paris vorhersehbar, wenn nicht Fiona Blum einige schöne Wendungen, aktuelle Weltgeschichte und interessante Persönlichkeiten in die Geschichte eingebaut hätte. Camille ist Ballettänzerin, die ebenso wie Louise dem Leben auszuweichen versucht. Mit dem jungen Nicolas verbindet sie alle ein Gefühl von Heimatlosigkeit, das allerdings nicht von ein paar Macarons geheilt werden kann.

Fiona Blum hat mich nicht sofort mit ihrer atmosphärischen und streckenweise poetischen Geschichte gefangen genommen. In die Geschichte führt sie als Erzählerin ein, die das Wort an die Lesenden selbst richtet. Was für mich bei Erich Kästners Kinderbüchern funktioniert hat, klappt bei Fiona Blum leider nicht. Ich bin auch nicht besonders erfreut, wenn die Erzählerin Geschichten andeutet, die „an dieser Stelle nicht erzählt“ werden.

Aber Fiona Blum kriegt die Kurve, denn sie entwickelt einen schönen Erzählstrang, lässt ihre Charaktere lebendig werden und bringt mich zum Mitfühlen. Blum kann erklären, wie sich jemand fühlen mag, dessen Leben am Ende zu sein scheint. Sie verleiht Paris auch im Alltäglichen einen Schimmer, der Sehnsucht auslöst und damit einen Hintergrund für die Geschichte, vor dem diese wirklich funktioniert.

Aus einer mehr als melancholischen Grundstimmung entwickeln die Personen in der Geschichte nach und nach ein Eigen- und Gemeinschaftsleben, das neugierig macht und die Freude des Lesens stetig steigert.

Frühling in Paris ist ein wirklich nettes Buch über Leben und Lieben in einer der schönsten und aufregendsten Städte der Welt.

Fiona Blum

Frühling in Paris

Goldmann Verlag

ISBN: 978-3-442-31457-7

Über Klaus Daniel 148 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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