23. Oktober 2017

Ian Rankin: Ein kalter Ort zum Sterben; Gastbeitrag von Björn Rosigkeit

John Rebus ist ein schottischer Polizist, der seinen Dienst in Edinburgh, der Hauptstadt des Landes, leistet. Vielleicht ist die Gegenwartsform an dieser Stelle nicht ganz richtig, denn eigentlich ist Rebus im aktuellen Roman kein Polizist mehr. Autor Ian Rankin ließ Rebus im Lauf der letzten 20 Romane nahezu natürlich altern, so dass Rebus mittlerweile pensioniert ist ..

„John Rebus ist Schotte mit einer schottischen Seele: düster und traurig wie das Wetter in Edinburgh, das in Form von Wind und Regen durch die engen Straßen der Oldtown peitscht und in Strömen die Gassen hinunterfließt; aber auch warm und hell wie die Sommertage in den Highlands, wenn die Strahlen der Sonne die Berge und Lochs in Grün und Blau erleuchten lassen und der Tourist die wilde Schönheit dieses Landes spürt.“ (Bianca Reineke, 2007)

Rebus symbolisiert das düstere Edinburgh. Er bewegt sich in den Schattenwelten, ist mit Edinburghs Gangsterboss „per Du“ und kennt jede zwielichtige Kneipe der Stadt. Er lebt für die Arbeit und irgendwie auch für die Gerechtigkeit, dabei nimmt er keine Rücksicht auf die „Umstände“ oder deren Bedeutung. Das hat ihn nicht unbedingt zum beliebtesten Polizisten der Stadt gemacht, erst recht nicht in den eigenen Reihen. Da seine Methoden mitunter etwas unorthodox sind und nur in seltenen Fällen dem Polizei – Lehrbuch entsprechen, hat es bei Rebus für die höheren Positionen im Polizeidienst nicht gereicht, aber das hätte wohl auch kaum zu ihm gepasst.

Rebus´Pensionierung – übrigens die zweite, denn aufgrund einer Gesetzesänderung im schottischen Parlament, durfte Rebus zwischenzeitlich offiziell an älteren, ungelösten Fällen arbeiten – erzeugt in den offiziellen Kreisen folglich eher Erleichterung. Diese Erleichterung schlägt jedoch ziemlich schnell in Ernüchterung um, denn wie zu erwarten ist, kann Rebus das „Polizist sein und Ermitteln“ nicht sein lassen.
In „Ein kalter Ort zum Sterben“ recherchiert Rebus in einem wirklich alten Fall aus dem Jahre 1979. Mit dem Ruhestand hat er sich so gar nicht abgefunden auch wenn er merklich ruhiger und zurückhaltender als gewohnt agiert. Dass ihn dieser alte Fall unweigerlich in die Gegenwart und in eine aktuelle Ermittlung lotst, nimmt Rebus gerne hin. Er trifft wieder auf Siobhan Clarke und Malcolm Fox und so kommt es unfreiwillig zur Wiedervereinigung des Trios um Rebus.

So ungleich diese drei Protagonisten scheinen, so gekonnt agieren sie zusammen und beschreiben die Vorgänge in Edinburghs Unterwelt aus völlig verschiedenen Sichtweisen und mit sehr unterschiedlichen Interpretationen.

Sie sah ihn direkt an. „Keine Alleingänge John!“ Trotz allem bist du Zivilist.
„Genau genommen bin ich das nicht. Mir gegenüber wird er (Cafferty) den Mund aufmachen.
Sie sah ihn jetzt noch durchdringender an. „Wieso eigentlich? Das habe ich mich schon immer gefragt.“
„Weil er gerne Aufmerksamkeit von mir bekommt und ziemlich genau weiß, dass ich ihm nichts anhaben kann. Er will mich immer wieder daran erinnern, dass er das Sagen hat, nicht du, ich oder sonst jemand.“

Was meiner Meinung zu einem richtig guten Rebus-Fall gehört, ist die Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse. Auch im aktuellen Fall wird dieser durch den Konflikt zwischen dem ehemaligen Polizisten John Rebus auf der einen und dem ehemaligen Unterweltboss Gerald Morris Cafferty auf der anderen Seite dargestellt. Umrahmt wird dieser Zwist durch eine weitere wesentliche Frage: Wer ist eigentlich wichtiger und stärker – die Jungen oder die Alten? Dabei spielt die Seite des Gesetzes, auf der man sich befindet, nur eine untergeordnete Rolle, „die Probleme“ sind sowohl für den sich in den Ruhestand verabschiedenden Unterweltboss als auch den ehemaligen Polizisten gleich.
So entsteht eine spannende Kriminalgeschichte, die einen, nein eigentlich zwei klug konstruierte Fälle beinhaltet, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann ziehen.
Besonders besonders an den Rebus-Fällen ist, dass sich die Geschichten und Charaktere nicht abnutzen. Auch im 21. Fall kann man neue Seiten an Rebus und Edinburgh entdecken. Auch wenn John Rebus mittlerweile vergleichsweise alt geworden ist (wobei das natürlich auch immer auf die Perspektive ankommt), so ist er kein bisschen langweilig – und das gleiche gilt dem gesamten Roman.

Ian Rankin
Ein kalter Ort zum Sterben

Goldmann Verlag

ISBN: 978-3-442-31461-4

 

Zum Gastrezensenten:

Björn Rosigkeit ist ein Mann aus dem Ruhrgebiet: Schlau, aufgeschlossen und weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen. Und natürlich sieht er sehr gut aus. Krimis gehen bei ihm immer. Mit 21 von 21 gelesenen Rebus – Krimis ist Björn ein echter Rebus Fachmann.

Wir danken und freuen uns auf die nächste Buchbesprechung.

 

Über Klaus Daniel 148 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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