18. Februar 2018

Jean – Paul Didierlaurent – ein toller Erzähler

Darf ich vorstellen:

Da ich ja immer sehr an Büchern über Bücher usw. interessiert bin, ist es nicht verwunderlich, dass ich auf  Jean – Paul Didierlaurent gestoßen bin. Laut seinem Verlag, dem dtv, kommt Didierlaurent aus dem Elsaß, ist mit Kurzgeschichten in verschiedenen Wettbewerben zu Preisen gekommen und hat inzwischen sein drittes Buch veröffentlicht.

Von zwei Büchern werde ich erzählen. Das Dritte, das aber eigentlich die Nummer zwei ist, heißt Macadam oder das Mädchen von Nr. 12.

Macadam konnte ich noch nicht lesen,  die Buchbloggerinnen  Janna von Kejas Blogbuch und Gabriela vom Buchperlenblog allerdings sehr wohl.

In seinem Buch „Die Sehnsucht des Vorlesers“ –  geht es um den Vorleser – und nicht allein dessen Sehnsucht.

Guylain Vignolles ist der Vorleser, er gibt Texten auf eine einzigartige Weise die Chance wenigstens einmal gehört zu werden. Und das ist ist ihm aus mindestens einem Grund sehr wichtig. Guylain’s Beruf ist aus seiner eigenen Sicht verwerflich: Er vernichtet Bücher.

Guylain bedient einen riesigen Schredder, in dem Bücher, die, weil sie nicht verkauft wurden, aus dem Handel zurückgegeben werden, zu einem Papierbrei zermalmt werden. Guylain, der Literatur liebt, ist diese Situation schier unerträglich. Er verschafft den Texten, die er Seite für Seite vor der Vernichtung beschützt, ein zweites Leben, in dem er sie, die er seine Findelkinder nennt, auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn vorliest. Dass er mit dem Vorlesen seinen Mitfahrenden ein besonderes Geschenk macht, fällt ihm weder auf, noch ist es ihm wichtig. Allerdings löst das Vorlesen und das Geschenk, das er damit macht, Vorgänge aus, die nicht nur das Leben des Vorlesers beeinflussen werden.

Ein bisschen verschroben und etwas zwanghaft lebt Guylain vor sich hin. Er kümmert sich um seinen ehemaligen Kollegen Giuseppe, dem es, seit dem er nicht mehr arbeiten kann, nicht gut geht. Guylains Leben bekommt eine besondere Wendung, als er einen USB Stick mit Tagebucheintragungen einer jungen Frau findet. Sein Sehnen, seine Phantasie und sein Vorlesen wendet Guylain nun der unbekannte Tagebuchschreiberin zu.

Jean – Paul Didierlaurent hat mit der Sehnsucht des Vorlesers einen sehr poetischen Roman geschrieben. Die Geschichte funktioniert wegen der liebevoll und plastisch gezeichneten Protagonisten, wegen der wundervollen Kulisse PARIS und wegen des aufregenden Umganges mit großen Leidenschaften von Menschen.

Guylain rettet keine Bücher – sondern liest Texte und bereichert Menschen. Ein kleines Buch zum Schwelgen.

Ein zweites Buch von J-P D. fand ich in Frankfurt auf der Buchmesse:

Dass „Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky“ trotz der auch dunklen Themen, so leicht geworden ist, zeigt, dass Didierlaurent ein wunderbarer Fabulierer ist.

Auf einem Roadtrip, seiner letzten Reise, lässt sich der 82 jährige Samuel Dinsky von Ambroise, dem jungen Leichenpräparator und Manelle, einer ebenfalls jungen Pflegerin begleiten. Dass sie im Leichenwagen reisen, erscheint zweckmäßig, findet keine große Begeisterung bei Manelle, die allerdings, als sie den Grund der Reise erfährt, von Begeisterung ohnehin weit entfernt ist.

Die Reise wird einen ungeplanten Verlauf nehmen. Dafür sorgt schon die Zusammensetzung dieser Reisegruppe, die sich auf der Reise erweitern wird. Manelle und Ambroise hätten sich vermutlich nie kennengelernt, wenn Samuel Dinsky nicht diese, aus Manelles Sicht, völlig verrückte Idee entwickelt hätte, eine letzte Entscheidung für sich selbst treffen zu wollen: Den Zeitpunkt seines Lebensendes.

Ambroise und Manelle haben jeweils ihre eigene Lebensgeschichten, die ihnen verschiedene Steine in den Weg geworfen haben. Monsieur Dinsky ist ein lebenskluger Mann. Er wird diese Reise nutzen, um Manelle und Ambroise etwas mit auf die eigenen Lebenswege zu geben.

Hat Didierlaurent schon Guylain Vignolles ein paar Wunder erleben lassen, ist ihm mit dem „Unerhörten Wunsch des Monsieur Dinsky“ ein melancholisch – heiteres Märchen gelungen, in dem er auf wunderbare Weise deutlich macht, dass jede*r eines Tages sterben muss – an allen anderen Tagen aber eben nicht. Vor allem dann nicht, wenn Hoffnung und Liebe in das Leben (zurück-) kommen.

Jean – Paul Didierlaurent ist ein Meister des zauberhaften Bodenständigen. Ich empfehle ihn sehr und möchte ihn gerne jede*m ans Herz legen.

 

Jean – Paul Didierlaurent

dtv Verlag

Die Sehnsucht des Vorlesers

ISBN – 978-3-423-25393-2

Macadam oder das Mädchen von Nr. 12

ISBN – 978-3-423-26145-6

Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky

ISBN – 978-3-423-26162-3

 

 

Über Klaus Daniel 159 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

3 Kommentare zu Jean – Paul Didierlaurent – ein toller Erzähler

  1. Lieben Dank erstmal fürs Verlinken & erwähnen <3 – aber es heißt BlogBuch 😉

    Ich habe "Die Sehnsucht des Vorlers" mehr als gerne gelesen & kann dir "Macadam" nur ans Bücherherz legen! Allein schon weil dort die geretteten einzelnen Seiten von Guylain zu finden sind, aber auch unabhängig davon sind es wundervolle Kurzgeschichten!

    "Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky" steht auch schon weit oben auf meiner Wunschliste (=

    Hab einen feinen Tag!

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