18. Dezember 2017

Mark Lowery: Wie ein springender Delfin

Zunächst einmal: Wow. Wie ein springender Delfin ist ein berührender Roadtrip zweier Brüder, die sich auf den Weg machen. Das Ziel: den ganz besonderen Ort St. Bernards und die Familie zu retten.

Dieser Kinderroman hat es wirklich in sich. In vielerlei Hinsicht.

Marty, 13 Jahre alt, ist der große Bruder vom 10 jährigen Charly, der ein ganz besonderer Junge ist.

„Charly ist einer unter einer Million. Genauer gesagt, einer unter einer Charlillion. Diese Zahl hat sich Charly selbst ausgedacht – Sie ist eins mehr als unendlich.“

Marty ist Mitglied im Lyrik – Club an seiner Schule. Und er ist auch der Erzähler seiner Geschichte und der von Charly. Charly und Marty sind auf dem Weg zu einem Ferienort, an dem beide eine glückliche Zeit mit ihren Eltern verbracht haben. Diese glückliche Zeit scheint nun vorbei: Ihre Mutter scheint oft sehr müde zu sein, denn sie verbringt viel Zeit im Bett. Der Vater kommt kaum noch von der Arbeit nach Hause.

Marty macht sich mit Charly auf den Weg nach St. Bernards, diesem Ort, wo Charly den Delfin gesehen hat. Das Ziel verrät Marty aber noch nicht. Charly würde nur hibbelig werden – und das macht Probleme.

Marty erzählt in seiner Geschichte über das Zusammenleben mit Charly, der zu früh geboren wurde und ständig in ärztlicher Behandlung ist. Er erzählt, wie es ist, als älterer Bruder immer auf Charly aufzupassen und dass da, wo Charly ist, die Welt immer ein bisschen besser ist. Denn Charly sieht die Welt anders als Andere und das macht ihn sehr besonders.

Dass der große Bruder auch sehr besonders ist, fällt ihm vermutlich gar nicht auf. Aber diejenigen, die das Buch lesen, werden, so wie ich, Marty sofort mögen. So geht es übrigens auch Hen, einem wilden Mädchen, das von zu Hause abgehauen ist, Marty unterwegs kennen lernt und ihm mehrmals aus der Klemme helfen wird.

„Springender Delfin
Dein Leben ist ein springender Delfin,

Und verbreitet
ewig und einen
winzigen Wassertropfen.
Jeder von ihnen enthält
einen Augenblick lang
dein winziges Spiegelbild.
Du bist ein springender Delfin.
Ein herrliches Beispiel
dafür, was es bedeutet,
zu leben.

von Martin Tompkins, 13 Jahre“

 

Mir hat das Buch aus mehreren Gründen ungeheuer gut gefallen:

Lowery beginnt mit seiner Geschichte ganz leicht aus Martys Perspektive, die er kaum jemals verlassen wird. Das macht es dem Lesenden leicht, die folgenden Erlebnisse gut nachzuvollziehen. Im weiteren Verlauf flicht Lowery sehr spannungsreich und liebevoll unterschiedliche Zeitebenen und damit auch die Erlebnisse der unterschiedlichen in dieser Geschichte handelnden Personen ineinander. So wird die Geschichte immer dichter und die Spannung wird fast greifbar.

Sehr intensiv und berührend wirkt die Geschichte dadurch, dass es einzelnen Protagonisten und natürlich dem Lesenden selbst erst nach und nach möglich wird, die Erlebnisse von Marty und Charly einzuordnen und in ihren Tragweiten zu erkennen.

Lowery erzählt von Hinwendung, Verzweiflung und Hoffnung. Er gestaltet seine Figuren liebevoll und zeigt die Magie von Freundschaft und Mitmenschlichkeit. Und er erzählt eine wirklich aufregende und abenteuerliche Geschichte.

Wie ein springender Delfin ist ein großartiges Buch.

 

Mark Lowery

Wie ein springender Delfin

Rowohlt Taschenbuch Verlag

Leseprobe des Rowohlt Verlags

ISBN: 978 3 499 21775 3

Über Klaus Daniel 154 Artikel

Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen.
Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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