22. November 2017

Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten

Phantastischer Krimi aus Dänemark

„Luca Campellis Wunsch, umgeben von seinen geliebten Büchern zu sterben, ging an einem späten Oktobertag in Erfüllung.“

Im Anfang des Buches wird ein Antiquariat beschrieben, in dem Büchernerds wie ich gerne wohnen möchten – warme Farben, dunkles Holz und Leder, bequeme Sessel, eine Galerie, auf der Bücherregale die Wand verstellen, Bücher, Bücher, Bücher und am Lesetisch eine Flasche Cognac (gut, es könnte auch eine Kanne Tee sein) – einfach heimelig.

Allerdings schleicht bald das Unbehagen in die Geschichte – Luca liest in einem besonderen Buch – und stirbt. Es wird sich herausstellen, dass Luca nicht an Altersschwäche starb.

Luca war Mitglied einer kleinen Gemeinschaft von „Lettori“, Menschen, die über das Vorlesen Menschen in ihren Handlungen beeinflussen können und dies für positive Ziele anwenden. Leider kam es vor Jahren Zwischenfälle, die die Lettori dazu gebracht haben, sich als Gemeinschaft zu spalten.

Von all dem weiß Lucas´ Sohn Jon nichts, er ist Anwalt und hat seinen Vater schon seit 15 Jahren nicht mehr gesehen, denn Luca hat Jon damals in eine Pflegefamilie weggegeben. Jon wird erst spät herausfinden, dass dies zu seinem Schutz geschehen ist. Vorher wird Jon mit Hilfe von Iversen, dem Faktotum Luca´s und Katherina, einer besonderen jungen Frau, seine eigenen Fähigkeiten als Lettore entdecken und entwickeln. Genau diese Fähigkeiten sind es, die die „Schattengesellschaft“ dazu drängen sich weiter in die Geschehnisse einzumischen.

„Vorsichtig zog er ein Buch heraus und liebkoste das gegerbte Leder mit seinen Fingerspitzen. „Wenn ich sie nur sprechen hören könnte“, murmelte er, „Eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte.“

Die Schattengesellschaft ist sehr alt und beansprucht nicht weniger als die Weltherrschaft, die sie durch Beeinflussung politisch Verantwortlicher übernehmen will. Eine Schlüsselfigur in diesem Vorhaben ist Jon Campelli. Mit seiner überdurchschnittlichen Fähigkeit als Lettore soll er die Mitglieder der „Schattengesellschaft“ in ihren individuellen Fähigkeiten stärken und damit die Voraussetzungen für die Machtübernahme der „Gesellschaft“ schaffen.

Weil der beste Ort dieser „Kraftübertragung“ ein Ort ist, der aufgeladen ist mit Gefühlen, Wissen und Geschichte, wird die Bibliotheca Alexandrina für dieses Vorhaben ausgewählt. Die Bibliotheca wurde an dem Ort aufgebaut an dem schon die antike Bibliothek von Alexandria  gestanden hat. Deswegen gilt dieser Ort als besonders aufgeladen und geeignet.

In der Bibliotheca kommt es zum Showdown zwischen Jon und seinen Vertrauten auf der einen Seite und der Schattengesellschaft auf der Anderen.

Man mag über die Grundidee der gedanklichen Beeinflussung von Menschen  durch das Vorlesen und der Ausprägung, die Mikkel Birkegaard vornimmt, lästern, vielleicht sind einige „dramaturgische“ Schleifen unlogisch; Mikkel Birkegaard ist ein Meister der Beschreibung. Ich möchte in seine Bücherräume einziehen und will nun unbedingt die Bibliotheca besuchen. Seine Geschichte ist sehr spannend, seine Liebesgeschichte glaubhaft und seine Figuren nachvollziehbar. Die zahlreichen Hinweise auf Klassiker der Literatur, die besonderen Lesemomente, die hier beschrieben werden zeugen von großer Hingabe an das Lesen und die Literatur. Mikkel Birkegaard ist ein gut zu lesender, spannender Krimi und Abenteuer – Roman gelungen, der mir Lesefreude bereitet hat.

Hätte ich ein Bewertungsverfahren, würde ich nun volle Feenstaubpunkte geben. (Vielleicht kommen wir nun auch ins Feuilleton #PowerofBlogger)  😉

 

Mikkel Birkegaard

Die Bibliothek der Schatten

Goldmann / Randomhouse

ISBN: 978-3-442-46928-4

Über Klaus Daniel 151 Artikel

Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen.
Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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