25. April 2018

Mord in den Highlands – (M)eine schottische Lesewoche

Waterstones Buchhandlung im Wool Exchanges Bradford, Foto: Klaus Daniel

 

 

Farewell to the Highlands,

Farewell to the North,
The birth-place of valor,
The country of worth!
Wherever I wander,
Wherever I rove,
The hills of the Highlands
For ever I love.

 

Highlands, Islands und Lowlands

Schottland ist ein Traum für viele. Die Landschaften, Menschen, das Wetter und die Ruinen – wer kennt nicht irgendetwas Schottisches und wenn es nur der Rock wäre?

Wenn mal der Blick für Schottlandkrimis geschärft ist, dann fällt auf, dass es einige gibt. Drei besondere Krimis fand ich auf der Frankfurter Buchmesse, die Zeit, sie zu lesen erst etwas später und darüber zu schreiben leider erst jetzt.

Ich hoffe, ich versetze Andrea nicht all zu sehr in Angst und Schrecken, würde ich doch einige der beschriebenen Orte gerne mal besuchen. Vielleicht – um den Schrecken zu mildern: Andrea, es ist bestimmt alles nur erfunden 😉 (Kommentar Andrea: So schnell ist mir nicht Angst zu machen. Außerdem habe ich Schottland vor einigen Jahren bereist, habe mich sogar der Gefahr gestellt, am Loch Ness einem Ungeheuer zu begegnen, konnte unversehrt weiterreisen – die Zeit in diesem traumhaften Land ist in allerbester Erinnerung!) Allerdings können wir bei den im Folgenden vorgestellten Büchern viel lernen. Über Schottland, den Whisky, den Whisky, die Historie und das Leben, äh, hatte ich schon den Whisky erwähnt?

Im Europaverlag erschien Graeme Macrae Burnets aufregender Krimi „Sein blutiges Projekt – Der Fall des Roderick Macrae“. Mir fiel der Roman wegen seiner guten Aufmachung und des Klappentextes besonders ins Auge. Und obschon in der Kurzbeschreibung auf der Klappe klar wird, das es sich um eine besondere Geschichte handelt, überrascht Burnet mit dieser Geschichte, in der der Täter nicht gesucht werden muss. Macrae Burnet zeichnet ein historisches Schottland am Ende des 19. Jahrhunderts. Anders als in vielen historischen Romanen geht es nicht um Könige und Trommeln, sondern um die Landbevölkerung in den Highlands. Und um blutige Morde in einem Dorf:

Der siebzehnjährige Roderick Macrae hat drei Menschen getötet. Er gibt seine Schuld zu. Sein Anwalt lässt Roderick einen Bericht zur Vorgeschichte der Tat anfertigen. Er will Verständnis dafür herstellen, wie es dazu kommen musste, dass Roderick Macrae im August 1869 zum Mörder an einem Mann und zweien seiner Kinder wurde und um das Gericht dazu zu bringen, nicht die Höchststrafe zu verhängen. Roderick erzählt eine Vorgeschichte, in der neben seinem persönlichen Schicksal auch ein Gemälde der Lebensumstände der ländlichen Highland – Bewohner entstehen lässt. Dieses Gemälde zeigt den Lesenden menschliche Abgründe, die vom Handeln der Mächtigen, menschlicher Lust und demütigenden Erlebnissen bestimmt sind.

Macrae Burnet hat ein Buch geschrieben, das viele Fallen für gutgläubige Leser*innen enthält. Einerseits formuliert hier ein junger Mann mit der nötigsten Schulbildung des Schottland im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert einen sehr geschliffen wirkenden Bericht. Burnet beschreibt Umstände, die den Bericht des Jungen mehr oder weniger glaubwürdig erscheinen lassen. Die Mitwirkenden aus Medizin und Justiz erscheinen nicht immer in hellstem Licht. Dies vor allem deswegen, weil Burnett am Fall Roderick Macraes üppige Wissensvermittlung betreibt: Er stellt den damaligen Stand forensischen Wissens dar, zeigt Zusammenhänge zwischen damals geltendem Recht und den Möglichkeiten der Handelnden auf und beschreibt, wie arrogante Haltungen vermeintlich Gelehrter die Entwicklung wirklichen Wissens verhindern.

Von diesen Umständen abgesehen, bleibt der Fall des Roderick Macrae eine Geschichte, die zum Staunen, Grübeln und gespannt Weiterlesen drängt. Denn obwohl wir wissen, wer der Mörder ist, lernen wir ihn und die Opfer erst durch den Bericht kennen.

„Mäßigung, Mäßigung, Sir, ist meine Regel. Neun oder zehn Whiskys sind eine angemessene Erfrischung. Aber danach artet es in Trinkerei aus.“

Ralf Bernhard und Hans Georg Würsching sind Whiskykenner. Es dürfte nicht überraschen, würde der dicke Krimi „Tod im Torf“ nach einem rauchigen Speyside – Whisky duften. Denn – neben den Tatsachen, dass leider ein Whiskylager abbrennt und der Tod in der Whiskybrennerei lauert – habe ich einiges über die Geschichte, das Brennen und den Whisky gelernt. Der Cluaran – Verlag ist uns bei der Frankfurter Buchmesse 2016 erstmals aufgefallen. Ein ausnehmend freundlicher Verleger sprach gut gelaunt über wichtige Themen des Lebens: Leidenschaft für Bücher und das „Wasser des Lebens“, das er sowohl als Fachbuch- als auch als Krimiautor sehr umfassend beschreibt. Inzwischen liegen fünf Whiskykrimis und ebensoviele Fachbücher über Whiskyabfüllungen aus dem Cluaran Verlag vor.

Im Krimi Nr. 4, heavily peated, tauchen neben torfigen Romanfiguren einige im Torf vergrabene Leichen auf. Ob wegen dieser Leichen, die schon vor langer Zeit im Torf begraben wurden, das Whiskylager, das Distillery Manager Graham Morrice mit viel Leidenschaft aufgebaut hat, in Brand gesetzt wurde, können Chief Superintendent Alan Derringer und sein Freund und Kollege Brian Strachan nur mutmaßen. Die Lage wird jedoch für alle Beteiligten äußerst brisant, Graham Morris gerät in Gefahr. Möglicherweise ist hier eine Vendetta der besonderen schottischen Art im Gange ..

Da ich selbst Whisky gerne mag, musste es nun endlich mal einer der Whiskykrimis aus dem Hause Cluaran sein. Die Autoren haben interessante und zum Teil skurrile Gestalten erschaffen, denen es Spaß macht, bei dieser Geschichte über die Schultern zu sehen. Mit viel Augenzwinkern und großem Sachverstand werden die Protagonisten durch die Welt der Brennereien und ein schön beschriebenes Schottland der heutigen Zeit geschickt.

Den Geheimnissen von Mördern und anderen Verbrechern kommen die Polizisten nicht so schnell auf die Spur wie der geneigte Leser es manchmal gerne gehabt hätte, allerdings werden im Ausgleich für manche Länge wundervolle Bonmots, schmunzeln lassende Begebenheiten und eine spannende Geschichte angeboten.

Heavily peated (Tod im Torf) ist spannend, (lehrreich – iieeks, ekeliges Wort für einen Krimi? Nein. Großartig!) und macht Spaß.

Den möchte ich gerne vorstellen: Hamish Macbeth.

Hamish Macbeth ist Constable (ähm. .. also Dorfpolizist) in Lochdubh. Der Eine oder die Andere werden Hamish schon kennengelernt haben, denn dank seiner Erfinderin, der Autorin C.M. Beaton ist Hamish inzwischen ein Serienheld.

In der Kriminalgeschichte „Hamish geht auf die Pirsch“ geht es tatsächlich um die Jagd. Und, weil es um besonderes Jagen geht: Auf die ersten Moorhühner der Saison, auf die schöne Priscilla Halburton – Smythe, auf die eine oder andere nette Brautbeigabe und so einiges andere, ist der überraschende Tod eines Gastes der Familie Halburton – Smythe anlässlich der Verlobung der hübschen Priscilla für manche lästig. Hamish Macbeth bietet die Untersuchung an den Todesumständen des offenbar mehrfach gehassten Captain Peter Bartlett aber eine gute Möglichkeit, die Nähe von Priscilla zu genießen, in die er sehr verliebt ist.

Hamish ist der Protagonist einer leichten Krimilektüre, in der nicht rumgethrillert wird, die nicht nicht schlafen lässt, die aber sehr wohl einen gewissen Charme hat und die nach einigen Mäanderkurven durch schottisch landadliges Gesellschaftsgetümel zu einem ernsthaft spannenden Kriminalroman mit überraschenden Wendungen wird.

Also: Hamish Macbeth. Witzig. Merken.

 

Sein blutiges Projekt – Der Fall Roderick Macrae

Graeme Macrae Burnet

Europa Verlag

ISBN: 978-3-95890-055-4

 

heavily peated – Tod im Torf

Ralf Bernhardt  Hans Georg Wünsching

Cluaran Verlag

ISBN:  978-3-9809344-9-7

 

Hamish MacBeth geht auf die Pirsch

M. C. Beaton

Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-404-17525-3

Über Klaus Daniel 161 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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