25. September 2017

Sophie Hénaff: Kommando Abstellgleis

Großer Beifall! Sophie Hénaff erschafft eine unkonventionelle und besondere Truppe.

Anne Capestan, Kommissarin der Pariser Polizei, ist seit einem halben Jahr suspendiert, ihr Mann hat sie verlassen. Vom Warten auf die Entscheidung, ob sie wieder in Dienst gestellt oder endgültig die Stelle verliert zermürbt, wird sie wieder in den Dienst gerufen. Sie soll die Leitung einer Polizeibrigade übernehmen, die Endlagerstätte für missliebige Polizisten sein soll. Zugeteilt werden Capestan ein Säufer, eine Spielerin, verdummte und verkrachte Existenzen der Pariser Polizei.

Mit dieser Truppe sollen Capestan und ihre Kolleg*innen ebenso entsorgt werden wie alte Fälle, die von anderen Kommissariaten nicht gelöst werden konnten. Es macht den Eindruck, als würden die alten Fälle entsorgt, um so die Aufklärungsbilanz anderer Kommissariate zu bereinigen. Der eigentliche Auftrag ihrer Brigade lautet: nicht weiter in Erscheinung zu treten. Die neu zusammengestellte Brigade wird in einer großen, schäbigen Wohnung einquartiert, die, wie um zu bekräftigen, dass diese Truppe aus Ungewollten besteht, mit defekten Möbeln bestückt und technisch desolat ausgestattet ist.

Nicht in Erscheinung zu treten fällt jedoch Capestan ebenso schwer, wie den Kolleg*innen ihrer Brigade, die mit ihr nach und nach den Dienst aufnehmen. Trotz der Schwierigkeiten, die jede Einzelne der handelnden Personen mit sich selbst oder mit Anderen aus der Einheit haben, beginnt nach und nach eine Zusammenarbeit, in der die besonderen individuellen Stärken in diesem noch – nicht – Team hilfreich eingesetzt werden, um die Puzzlesteine von abgekühlten Fällen zusammenzusetzen, die sich als brisanter herausstellen, als sie es ursprünglich vermuten lassen.

Hénaff gelingt auf menschliche und humorvolle Weise menschliche Tiefen ihrer Protagonisten auszuloten und zu beschreiben. Sie beschreibt die vielen Querverbindungen der handelnden Personen und ermöglicht es, die psychischen Zustände und deren Herkünfte ihrer Protagonisten nachzuvollziehen. Slapstick und Klischeeumkehrung setzt Hénaff auf robuste und intelligente Art ein. Dadurch schafft sie sehr schnell eine Tiefe der Pariser Kulisse und eine Vertrautheit des Lesenden mit den handelnden Personen. Mit sprachlichem Geschick vermag es die Autorin Spannungsbögen aufzubauen, zu halten und zu einem runden Abschluss zu bringen. Sie arbeitet ohne Cliffhanger oder Spoiler und macht die Geschichte dieser neuen Brigade zu einem spannenden humorvollen Genuss.

Am Ende dieses Piloten einer Serie von Capestan – Krimis kommt es zu überraschenden Einsichten und zur Lösung einer Mordserie. Einfallsreich und subversiv agieren die Polizist*innen der neuen Brigade, um zu zeigen, dass von Ihnen viel mehr zu erwarten ist, als das Verharren auf dem Abstellgleis. Die Brigade überwindet Hindernisse oder räumt sie gleich ganz aus dem Weg mit Teamwork, unkonventionelle Methoden und der Nutzung der diversen Fähigkeiten dieser besonderen Truppe.

 

Sophie Hénaff

Kommando Abstellgleis

Carl´s Books

ISBN: 978-3-570-58561-0

Über Klaus Daniel 144 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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