22. September 2017

Was macht eigentlich das besondere Buchgeschäft aus?

Reading Room Public Library NYC

Wie ist das besondere Buchgeschäft?

Diese Frage stelle ich mir immer mal wieder aus unterschiedlichen Anlässen.

Anlass 1: Am 26.1. schrieb Thomas Ehrsam als Kommentar zu meinem Text über die Bücherhalle Berlin, dass er dort schlecht (besser müsste man sagen: NICHT) bedient wurde. Er konnte meinen guten Eindruck (den ich hier beschrieben habe, Thomas Ehrsams´ Kommentar steht gleich darunter) mal gar nicht bestätigen.

Anlass 2: In einer der Facebook – Leseratten – Gruppen postete eine Leserin, dass sie ausschließlich im Internet beim Großkonzern kaufe, da sie im Buchladen „nicht alles kriegen“ könne – und ihre örtlichen Buchhändler nicht alles bestellen können oder wollen.

Buchhandlungspreis

Anlass 3: Im vergangenen Jahr waren Andrea und ich in verschiedenen, mit Preisen ausgezeichneten Buchgeschäften, in denen wir uns jeweils fragten, wofür diese Geschäfte ausgezeichnet worden sind. – Denn wir waren auch in anderen Läden, die wir gut fanden, die keinen Preis erhalten hatten.

Thomas Ehrsam hat hoffentlich einen schlechten Tag in der Bücherhalle erwischt – Hoffentlich, weil die Bücherhalle einige Schätze für günstige Preise vorhielt und diese günstige Einkaufsmöglichkeit sich vermutlich nicht lange halten wird – denn wer wird gerne von Stinkstiefeln (NICHT-) bedient?

Der Facebook – Leseratte geht aus meiner Sicht einiges verloren. Meine Lieblingsbuchhandlung in Bielefeld – Ummeln, die Buchhandlung Schwarz, zeichnet sich durch begeisterte Buchhändlerinnen aus, die selber lesen, deswegen Bücher empfehlen und über Bücher reden können. Das Geschäft ist sicher nicht so groß wie die örtliche Großhandlung, dafür wird allerdings ein ausgewähltes, nicht alleine dem Mainstream der Großverlage verhaftetes Angebot bereitgestellt. Ich habe schon Bücher im Geschäft gefunden, die ich im Onlinekatalog von Jeff Bezos sicher weder erstöbert, noch durch den „Wer dies liest – liest auch das“ – Algorithmus gefunden habe oder hätte.

Fachbuchhandlung Potsdam

Natürlich ist meine Bielefelder Lieblingsbuchhandlung nun wirklich nicht die Einzige mir bekannte Bestellbuchhandlung. Andrea’s favorisierte Buchhandlung in Unna ist die Buchhandlung Hornung, die ebenfalls heute bestellt – morgen abgeholt anbietet, Uli Stern oder BUK in Heessen machen´s, eine Fachbuchhandlung in Potsdam ist dazu bereit und und und..

In ihrer Laudatio zum deutschen Buchhandlungspreis 2015 zitierte Frau Staatsministerin Grütters Felicitas von Lovenberg wie folgt:

„Buchhändler“ ist „ein Beruf, den ausschließlich sympathische, kluge und nachdenkliche Personen ergreifen, Idealisten oder mindestens Optimisten mit Durchhaltevermögen“.

Das alleine ist es aber nicht, was den besonderen Buchladen für mich ausmacht. Die Buchläden, die ich mag, laden zum Verweilen ein. Ich möchte dort gerne sein. Sie sind warm und freundlich. Sie sind Orte der Begegnung. Vielleicht nicht mit Menschen, sondern mit Büchern. In Köln fanden wir einen „Konzeptstore“, in dem es auch Kleidung zu kaufen gab und der viele Nischen zum Stöbern bot. Sie sind unterschiedlich und doch sind sie für mich Orte, an denen ich Schätze suchen und finden kann.

Frau Radisch hat in ihrer Laudatio zum Buchhandlungspreis 2016 einige Leitfragen bereitgestellt, nach denen sie Buchhandlungen zu beurteilen versucht. Sie fragt unter anderem danach, ob sich Buchhändler*innen Zeit nehmen sich Bücher empfehlen zu lassen. Für mich ist der Buchkauf das Ergebnis von Dialogen, ob nun durch die besondere Auswahl der Auslage im Geschäft, die Fragen „Wie kann ich helfen?“ oder „Was können Sie mir empfehlen?“. Dass meinem Dialog im Geschäft viele andere vorausgegangen sind, macht mein Buch noch wertvoller.

Danny Kaye sagte über Bestseller: Sie seien eine prima Einrichtung. Man kaufe sie, brauche sie aber nicht zu lesen. Für mich bedeutet das, dass die Bücher, über die nicht jede*r redet, die Bücher sind, die gelesen werden müssen, weil sie sonst vielleicht verloren gehen. Die Bewahrer*innen dieser Schätze sind die Buchhändler*innen, die mich bei einem ausgiebigen Geschäftsbesuch auf diese Schätze hinweisen -und das macht für mich ebenfalls die besondere Buchhandlung aus. Bei näherem Hindenken fällt mir auf, dass die Buchhandlungen, die ich im vergangenen und schon in diesem Jahr als „besonders“ wahrgenommen und entdeckt habe, unterschiedlich von den jeweils anderen sind. Die einen legen mehr Wert auf bestimmt Genres, die anderen stellen ihre favorisierten Autoren in den Vordergrund. Die Art der Ansprache ist unterschiedlich, hier gibt es Lesungen, dort werden Buchvorstellungsabende durchgeführt. Die Einrichtung ist mal heimelig, mal durchgestylt und manchmal sind außer Büchern keine anderen Einrichtungsgegenstände zu sehen.

Das Gefühl – ob ich in diesem Geschäft wieder Kunde sein möchte, vielleicht sogar ganz unbedingt, das wird durch das Gesamtbild und die Atmosphäre im Geschäft gemacht. Und diese Atmosphäre bietet mir kein Onlineladen.

Die Geschmäcker sind verschieden. Vielleicht hätte ich die Grummelei des Mannes in der Bücherhalle witzig gefunden, vermutlich hätte sie mich sehr gestört. Ich hörte von Kolleginnen, dass sie gar nicht gerne beim Bücherstöbern von Berater*innen gestört werden wollen.

Der Grieche Thukydides soll den Satz „Schönheit liegt im Auge des Betrachtes“ geprägt zu haben. Auf das Buchgeschäft angewendet, kann sicher gesagt werden: Die Besonderheit eines Buchgeschäftes liegt in der Weise, wie es seine Kunden erreicht.

Ich habe übrigens eine tolle Bloggerin nach Buchladen Tipps für Berlin gefragt. Sie empfahl unter mehreren Anderen das Mogwa – ein Antiquariat. Den entsprechenden Erlebnisbericht gibt es dann demnächst hier, in diesem Bücherregal…

 

Über Klaus Daniel 143 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

2 Kommentare zu Was macht eigentlich das besondere Buchgeschäft aus?

  1. Auf den Bericht über das Antiquariat bin ich besonders gespannt. Gerade diese sind noch viel schlimmer als Buchhandlungen. Bücher, die es nur dort und vielleicht sonst nie wieder zu entdecken gibt. Sich aus Antiquariaten zu lösen ist noch schwerer, als aus Buchhandlungen rauszufinden. 😉

    LG von der Rabin

    P.S.: Die Leserin aus deiner FB-Gruppe verpaßt wirklich einiges. Ich habe vor Kurzem auch über meine Buchhandlungen des Vertrauens geschrieben (https://moorlicht.wordpress.com/2017/01/15/buchhandlung-des-vertrauens/) und festgestellt, daß diese gewisse große Internet-Firmen weitab schlagen.

    • O wei, ich merke dass ich viel arbeite, wenn ich mit meinen Blog Beiträgen nicht weiterkomme… Das Antiquariat, das schlimmer als eine übliche Buchhandlung ist, muss für mich auch auffordernd gestaltet sein, liebe Rabin. Ich war schon in einigen stark müffelnden Antiquariaten, wo ich mich mehr aufgefordert sah zu ordnen und zu sortieren, als nach Schätzchen für mich zu suchen 😉

      Aber sonst gebe ich dir vollständig recht. In Antiquariaten ist das undenkbare oft noch viel näher. Und durch die andere Preisgestaltung ist die Tasche manchmal anders gefüllt, als im reinen Neubuchladen.

      liebe Grüße,
      Klaus

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