23. Oktober 2017

Will Wiles: Kein Leben ohne Minibar

Messebesuch – Stellvertretung, ein Beruf mit ganz eigenem Risiko

Neil Double hat einen zukunftsträchtigen Nischenmarkt gefunden, in dem er seine Berufung ausüben kann: Er besucht stellvertretend für Andere Fachmessen auf der ganzen Welt. Er verdient sein Geld damit, Vorträge und Veranstaltungen zu besuchen, seinen Kunden Inhalte und Ereignisse zu berichten und gesammeltes Messematerial zu übergeben, damit diese ihre kostbare Zeit nicht auf den Messen vergeuden müssen. Neil´s besonderer Benefit ist ein, in seiner Eintönigkeit Sicherheit versprechendes, Leben in immer wieder gleichen Hotels mit typischer Möblierung, gleichen Minibar – Inhalten sowie freundlichem Service, garniert mit gelegentlichem unverbindlichem Messesex.

Auf Messen trifft man oft die gleichen Menschen, die sich immer wieder über den Weg laufen. Neil hält sich abseits, damit nicht jeder weiß, dass er lediglich als Stellvertreter an Messen teilnimmt. Die Messe – Ereignisse sind von Neil gut geplant, seine Kundschaft bucht ihn, weil sich sein Service herumspricht, er ist für Monate im Voraus gebucht, seine Zukunftsaussichten scheinen sicher und lukrativ.

Diese Sicherheit erhält ihren ersten Dämpfer, als ein Messebetreiber Neil identifiziert und ihn als Besucher für den Verlauf einer Messe sperrt. Eine Messe lebt von der hohen Anzahl von Besucher*innen; sollten ausschließlich wenige Besucher – Stellvertreter*innen viele Besucher ersetzen, brauchen keine Messen durchgeführt werden, argumentiert der Messechef.

Während die Geschichte mit Neil´s Messeerlebnissen bisher vor sich hin geplätschert ist, interessant, aber ereignislos, so wie Neil es gerne mag, nimmt die Geschichte plötzlich Fahrt auf.

Es taucht die geheimnisvolle schöne Frau auf, die Neil schon am anderen Ende der Welt in der gleichen Hotelkette getroffen hat. So plötzlich, wie sie auftaucht, ist sie schon bald wieder verschwunden, allerdings nicht aus Neil´s Gedanken. Er möchte sie wiedersehen und ihren Geheimnissen auf den Grund gehen. Die Suche nach der Frau wird eine Schnitzeljagd in die gefährliche surreale Welt eines, ein Eigenleben führenden Hotels.

War das Gespräch mit dem Messechef schon enervierend, entwickelt sich seine Bekanntschaft mit dem führenden Hotelmanager lebensgefährlich für Neil und die geheimnisvolle Frau. Das Hotel, das sich als weitere Kraft in dieser Geschichte entpuppt, scheint seine eigenen Motive zu haben und mischt sich auf mysteriöse Weise ein.

Will Wiles hat eine Geschichte entworfen, in der er geschickt eine mögliche reale mit einer unmöglichen? surrealen Welt in Verbindung bringt. Dabei setzt er nicht auf billige Schockerlebnisse, sondern baut subtil einen Spannungsbogen mit Hintersinn auf. Er verleiht seinem Protagonisten zunehmend Profil, indem er Neil´s Beweggründe parallel zur Handlung entwickelt.

Die Blicke hinter Neil´s Fassade lassen tief in seine Befindlichkeiten und persönliche Entwicklung blicken. Es ist spannend zu erleben, wie die Erlebnisse im Hotel Neil zunehmend aus seiner, ihm Sicherheit versprechenden Lethargie reißen.

Der Titel ist irreführend. Das Buch grandios. Wieder ein Buch von Carl´s Books, das positiv aus dem Rahmen fällt.

Ach ja, das Buch wird unter dem # Britischer Humor geführt. Das kann ich nicht nachempfinden.

 

Will Wiles:

Kein Leben ohne Minibar

Carl´s Books

ISBN: 978-3-570-58548-1

 

Über Klaus Daniel 148 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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