1. Dezember 2020

Der Kater in BücherKaterTee

MEPHISTO

IMG-20160430-WA0003
Foto: Andrea Daniel

Der Beginn war nicht überzeugend: Der 13 Wochen alte schwarze Kater sprang fauchend vom Arm seines Vorbesitzers, als er mich sah, und verschwand unter einem Schrank. Der Vorbesitzer war peinlich berührt und bemühte sich zu beteuern, dass der kleine Kerl normalerweise äußerst verschmust sei. Ich habe mich trotzdem auf den ersten Blick „verliebt“ und fuhr mit dieser Handvoll Katze nach Hause. Mephisto, oder „Meffi“, wie er meistens gerufen wird, verschwand erst einmal völlig verschreckt für einen Tag und eine Nacht unter der Kommode. Am nächsten Tag war er jedoch reif: Keine Minute konnte ich ohne ihn durch die Wohnung gehen, ständig suchte er Körperkontakt und wollte kuscheln. Das Eis war gebrochen.

Foto: Andrea Daniel
Foto: Andrea Daniel

Mittlerweile begleitet Meffi mich schon über 13 Jahre. Ich habe ihn mit in die Ehe mit Klaus gebracht. Das war ein etwas kitzliges Unternehmen, denn Klaus wiederum brachte die wunderschöne Beagle-Mischlings-Dame Nancy mit. Nancy, einer Seele von Hund, fehlte nach einem Unfall eine Vorderpfote. Ob es ihre eigenen Lebenserfahrungen oder ein grundsätzlicher Charakterzug war – Nancy nahm Meffi mit stoischer Geduld auf. Selbst wenn dieser seinem Namen alle Ehre machte und ihr beispielsweise hinter einem Mülleimer auflauerte, um sie wie ein Schreckgespenst zu erschrecken, gewann Nancy schnell ihre Fassung wieder und schien dem kleinen Teufel mit einer gewissen Nachsicht jede Dummheit zu verzeihen. Die beiden teilten sich ihr Biotop miteinander und manchmal konnte man sogar beobachten, wie sie Nase an Nase einander beschnüffelten. Nancy musste leider vor zwei Jahren eingeschläfert werden, da die Gelenkschäden an der verbliebenen Vorderpfote zu schlimm geworden waren.

Seitdem erobert Meffi Klaus noch umfassender. Es ist schon ein gewohnter Anblick für mich, wenn ich morgens aus dem Bad in die Küche komme und meinem Mann mit einem Buch und einem schnurrenden Kater auf dem Schoß vorfinde. Und es ist spannend, was Klaus sich in dieser „Männerfreundschaft“ herausnehmen darf: niemals könnte ich ungestraft Meffi so durchwalken wie Klaus es tut und damit die Dezibel des Schnurrens in die Höhe treibt. Eines der schönsten Geschenke für unseren Kater kam vor kurzem von einem Freund von Klaus. Dieser brachte uns Bücher zum Tauschen. Seine Haustiere, zwei Mikroschweine, hatten zuvor die Bücherkiste einer Probierprobe unterzogen und dabei ein Loch in die Kiste gefressen – die perfekte „Tür“ für Meffi, der fortan die Bücherkiste bewohnt wie ein Hund seine Hundehütte.

Foto: Andrea Daniel
Foto: Andrea Daniel

Meffi hat seine eigene Form der Lesebegeisterung. Wenn einer von uns sich mit einem Buch in der Hand in den Sessel setzt, dauert es selten lange, bis man ihn auf den Schoß liegen hat. Das ist nicht immer bequem, denn Bücher ab einer Dicke von ca. 700 Seiten über den Kater zu balancieren kann durchaus anstrengend sein. Aber es gibt ein sehr heimeliges Gefühl: mit Buch in der Hand, einer Tasse Tee vor sich und einem schnurrenden Kater auf dem Schoß.

 

Teile diesen Beitrag.
Über Andrea Daniel 61 Artikel
Bibliophil, kunstaffin und reisebegeistert bloggt Andrea über Bücher, Bücherreisen und anderes.