28. November 2020

Rückblick auf die LitBlogCon 2017 #lbc17

Die LitBlogCom fand zum zweiten Mal am 10.06.17 in Köln statt – für uns war es die Premiere.

 

 

 

 

Organisiert wurde sie von den Kölner Verlagen Bastei Lübbe, bei dem die lbc 17 stattfand, dem DuMont Kalenderverlag, Kiepenheuer & Witsch und dem neu gegründeten Verlag für Social Media Influencer: Community Editions sowie dem aus der Schweiz stammenden Diogenes Verlag.

Von 11.00 – 18.00 gab es für Blogger*innen die Möglichkeit zum Austausch, gegenseitigen Kennenlernen und der Teilnahme an verschiedenen Workshops mit Autor*innen und Verlagsmitarbeiter*innen.

Die Veranstaltung war bunt, vielfältig und von ausgesprochen sympathischen, weil sehr engagierten Menschen organisiert und gut gestaltet. Natürlich bedeutet ein vielfältiges Angebot, dass auch Workshops stattfinden, die mal mehr oder weniger das Kerninteresse der Besucher*innen treffen, wenn aber die Veranstaltung dann trifft, ist es gleich besonders gut.

Klaus: Eigentlich sollte meine erste Session diejenige von Julia Krumhauer sein. „Der Buchumschlag – Eine Frage des Geschmacks“. Leider war der Raum Silvia zu klein für alle Interessent*innen, nicht zum letzten Mal, wie ich später herausfinden würde. Also war ein spontanes Umdisponieren nötig.

„Ich habe zu viele Ideen.“ (Tomi Ungerer)

Allerdings bescherte mir der Platzmangel gleich mein erstes Highlight: Ich wurde von Margaux de Weck´s Ausführungen mitgerissen. Sie ist eine der beiden Lektorinnen von Tomi Ungerer beim Diogenes Verlag. Margaux erzählte hinreißend von dem Menschen, bildenden Künstler und kritischen Autoren Tomi Ungerer. Sie berichtete flüssig, tiefgreifend und wunderbar bebildert vom Werdegang, seinen biographischen Bezügen in seinem Werk und seinem besonderen Anliegen besondere Helden in Bilderbüchern für Kinder zu gestalten. Um uns Tomi Ungerer  näher zu bringen, zeigte uns Margaux einen Ausschnitt eines Interviews auf Youtube. Den Ausschnitt finde ich nicht, aber stattdessen kann ich diesen empfehlen. Margaux war ganz große Klasse.

Andrea: Auch für mich war der Workshop zu Tomi Ungerer eine „Zweitlösung“, nachdem ich eigentlich einen anderen, leider überlaufenen Workshop wahrnehmen wollte. Aber es sollte nicht das einzige Mal an diesem Tag so sein, dass die „Zweitlösung“ zu einer ungeahnten Bereicherung wurde. Mir hat imponiert, mit welchem Herzblut Margaux von ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Ungerer erzählte – Ungerer ist der „dienstälteste Autor“ des Diogenes-Verlags! Und Ungerer hat aus den schwierigen Erfahrungen seiner Kindheit – der Vater starb früh, und als Ungerer acht Jahre alt war, brach der II. Weltkrieg aus – einen reichen Schatz gemacht: In seinen Kinderbüchern will er keine heile Welt vermitteln. Er traut Kindern etwas zu, traut ihnen die Realität zu und appelliert daran, Kindern die Kraft zu vermitteln, sich auch mit dem Schweren, Schwierigen, Angstmachenden auseinander zu setzen.

Nachdem das Folkwang-Museum Essen im vergangenen Jahr eine Ausstellung über Tomi Ungerer gebracht hatte, war dieser Workshop eine wunderbare Ergänzung!

Klaus: Wäre ich doch zum Workshop zu John Irving gegangen, als mein Workshop Nummer zwei, der einen Einblick in die Herstellung der schönen Bücher geben sollte, überfüllt war.

Andrea: Ja, da hast du etwas verpasst. 😉 Zum zweiten Mal an diesem Tag erlebte ich eine Lektorin, der ihre Arbeit mehr bedeutet als die Sicherung des Kontostandes. Und auch sie, Anna von Planta, ist eine „Lektorin der 1. Stunde“, denn mit der Aufnahme der Zusammenarbeit zwischen John Irving und dem Diogenes-Verlag war und ist sie Irvings Lektorin. Dies war eher ein Zufall nach dem Motto „Des einen Leid, des anderen Freud“, denn der erste in Deutschland erschienene Roman „Garp und wie er die Welt sah“ floppte, sodass Rowohlt, der diesen verlegt hatte, das Rennen verließ. Anna von Planta erzählt von dem langjährigen Aufbau eines Autors, von Recherchearbeiten bei Ärzten, Kriminologen, Tattoostechern etc., von „Stoff fassen“ und dem ganz besonderen „Sound“ von Irvings Romanen: 

„Irving hat eine Begabung, lange Sätze kurz erscheinen zu lassen.

„Irving entwickelt Figuren nur, wenn er sie nachvollziehen kann, „in her/his shoes“ gehen kann.“ (Anna von Planta)

Aber zurück zu Klaus´ Erlebnissen:

Klaus: Ich wollte gerne etwas darüber hören, wie Pamela Reif zur Influenzerin geworden ist. Stutzig wurde ich schon, als der „Youtube – Pionier“ C. Krachten davon sprach, wie flüchtig doch das Internet und dass ein Buch doch nachhaltiger sei. Dabei streichelte er sehr begeistert Pamelas Buch. Komisch, ging es doch um Influenzer im Netz.  Bei den Gesprächsanteilen, die ihr der Moderator ließ, konnte Pamela allerdings auch nur ihrem eigenen Erstaunen über ihren Erfolg Ausdruck verleihen und nur gelegentlich Interessantes beisteuern. Inhaltlich habe ich wenig gelernt.

Die Organisator*innen waren sehr flexibel. Der Workshop zur Buchherstellung wurde von Hanne Mandik erfreulicherweise ein zweites Mal durchgeführt, da beim ersten Durchgang einige Menschen enttäuscht vor dem überfüllten Raum abdrehen mussten. Und ich war dabei. Großartig. Hanne nahm uns mit auf einen Galopp durch das kleine Einmaleins der Buchgestaltung. Sie führte vor, ließ uns mitdenken und Kapitalbändchen für ihr neuestes Buchprojekt aussuchen. Hanne ließ uns mit verschiedenen Andrucken von Buchumschlägen ihren gestalterischen Prozess nachvollziehen und brachte mit Leichtigkeit technisches Wissen und großes Staunen unter die Teilnehmenden.

Andrea: Ich nahm derweil spontan, da meine ursprünglich geplante Veranstaltung wieder überfüllt war, an dem Workshop „Heimatgefühle“ mit den Autorinnen Petra Hülsmann und Anna Basener teil. Und dieser Workshop war für mich die erste und einzige Enttäuschung des Tages. Das mag vielleicht an zweierlei Dingen gelegen haben: Zum Einen kannte ich im Vorfeld weder die Autorinnen noch deren Romane, die letztlich nicht „mein Beuteschema“ sind. Zum Anderen habe ich mich ein wenig von dem Begriff „Heimatgefühle“ verleiten lassen. Der Blogger Thomas Brasch hat vor einigen Wochen einen lesenswerten Beitrag über Heimat verfasst, und so ein wenig hatte ich die Hoffnung, dass dieses Thema mit dem Schwerpunkt Sprache aufgegriffen wird. Dem war leider nicht so bzw. war zu oberflächlich in Form einiger Darbietungen von Redewendungen im bevorzugten Dialekt sowie der Aussage, dass Petra Hülsmann gerne am Wasser lebt, aber eigentlich nicht segeln kann. Stattdessen empfand ich diese Veranstaltung als manchmal zu exaltierte Selbstbeweihräucherung der Agierenden. Schade!

 

 

 

 

 

 

 

2016 schrieb „Das Debüt“ erstmalig den „Bloggerpreis für Literatur“ aus. Shida Bazyar hat diesen gewonnen und las auf dem Dach des Bastei Lübbe Verlags aus dem wunderbaren Erstling „Nachts ist es leise in Teheran“, erschienen bei Ki-Wi. Shida Bazyar ist eine ausnehmend begeisternde Frau, die lebendig und authentisch über das Schreiben und ihre neuen Erfahrungen als Autorin sprach. Ihre Gesprächspartnerin war Bozena Badura, eine der Mitorganisatorinnen des Bloggerpreises, die ihren Teil zu einer gelungenen Gesprächsrunde beitrug.

Andrea: Anschließend trennten sich wieder unsere Wege. Ich hatte das große Glück, so gerade eben noch an Torsten Woywoods Veranstaltung teilnehmen zu können. Schon zu Beginn war mir der Autor sympathisch, denn im überfüllten Raum bot er mir spontan seinen Stuhl an. Und dann berichtete er von seinem Projekt „100 Bookshops around the world“, einer Reise durch die Welt, um die schönsten Buchhandlungen zu sehen. Naja, was soll ich sagen: Wenn das eigene Herz beim Thema Reisen und beim Thema Lesen schneller schlägt, wenn dann noch ein Autor so fesselnd und begeistert davon berichtet und unfassbar schöne Fotos zeigt, dann hätte die Veranstaltung gerne noch viel, viel länger dauern können.

„Seid mutig, traut euch was – auch im Kleinen!“ (Torsten Woywood)

Klaus: Laura de Weck vom Diogenes Verlag bot zeitgleich einen Workshop über Bausteine eines Theaterstücks an. Wir haben in vierzig Minuten kein Theaterstück geschrieben, hatten aber wahnsinnig viel Spaß beim Entwickeln von Figuren, Orten und Gelegenheiten für Konfliktgespräche zwischen Menschen, deren Beziehungen wir uns ebenfalls ausdenken durften. Wieder wurde deutlich, dass es eine sehr enge Beziehung zwischen Spaß und Zeit gibt: Je mehr Spaß eine Sache macht, desto kürzer kommt mir die Zeit vor, die sie dauert.

Und schwupps … war der Tag vorbei.

Zwischen den Sessions waren jeweils 20 Minuten Zeit, um die Räume zu wechseln, zu plaudern, oder etwas zu trinken. Trinken war sehr nötig, da sich der warme Tag deutlich auf die Zimmertemperaturen auswirkte. Es wurde ständig von den hervorragenden Gastgeber*innen für Nachschub gesorgt, so dass hier auch nie ein Engpass entstand. Überhaupt war das Catering allererste Spitze. Es gab genug. Alles war sehr lecker. Un an der Getränketheke gab es für mich einiges Neues zu probieren.

Dass die Organisation auch  mit vielseitig bepackten Taschen voller Druckerzeugnisse nicht haben lumpen lassen, kann ich vielleicht auch noch gerade erwähnen. Durch die großzügigen Pausen kam auch der Austausch zwischen den Bloggern nicht zu kurz. Bekannte Gesichter, neue Gesichter, die LitBlogCon war auch eine große Kontaktschmiede und eine wunderbare Möglichkeit zum Austausch. Während wir im Alltag ja nun doch eher ausgewählten Blogs folgen, war auf dieser Veranstaltung mal die gesamte Bandbreite der Blogger-Szene zu erleben: bunt, lebendig, offen und immer mal ein wenig verrückt. Müde von der Wärme und vor allem den vielen Eindrücken ging es nach Hause, und noch immer spuken unsere Erlebnisse durch die Köpfe.

Rundum eine gelungene Sache, diese LitBlogCon 2017.

 

Weitere Eindrücke gibt es zum Beispiel bei Anja von Nisnis Bücherliebe, die wir bei der #lbc17 wieder trafen, bei Janine von kapri-ziös oder bei Anna von Buchstabenträumerei. Ganz andere Veranstaltungen als wir hat Sina besucht und berichtet davon auf ihrem Blog Sinas Geschichten.

 

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Über Klaus Daniel 178 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

13 Kommentare zu Rückblick auf die LitBlogCon 2017 #lbc17

  1. Dieses Jahr war ich (als ziemlicher Neuling des Buuchbloggens) das erste Mal auf der lbc. Ich kann dir nur zustimmen, dass es richtig Spaß gemacht hat und die Goodie-Bag hat mich total von den Socken gehauen!!
    Btw, toller Artikel, ich habe einige der Workshops/Vorträge, die sich interessant anhörten, verpasst. Ich lese mich gerade durch alles durch, was ich finden kann, damit ich so viel wie möglich von allem erfahre 😉
    LG Sina

    • Hallo Sina, danke für deinen Kommentar. Als Vorbereitung für dieses Mal habe ich es genau so gemacht wie du und im Netz die lbc 16 nachgelesen. Und ich war baff, dass es so viele Artikel über sie gab.
      Wir freuen uns schon sehr auf das nächste Mal. Vielleicht sehen wir uns ja dann da?

      Liebe Grüße, Klaus

  2. Da kann ich dir nur zustimmen, dass die Veranstaltung wirklich gut gelungen war! Ich war ja letztes Jahr auch schon da und die Organisatoren haben sich die Kritikpunkte zu Herzen genommen! Dies haben ich unter anderem auch in meinem Beitrag gelobt! Die Veranstaltungen war dieses Mal auch wirklich gut! Ich habe ganz andere besucht als du! Einen tollen Blognamen und ein sehr süßen Foto der schwarzen Katze hast du da! Viele Grüße Verena

    • Hallo Verena,
      da muss ich doch gleich mal nach deinem Blog stöbern. Vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, ich glaube, die Veranstalter*innen haben wirklich viele Erfahrungen aus dem Vorjahr verwendet, um die lbc gut zu organisieren. Unseren Blognamen haben wir ja irgendwie nicht ausgesucht, den hat der Kater maßgeblich beeinflusst, wie Katzen eben so sind. Ich werde ihm deinen Kommentar natürlich vorlesen 😉 Das mit dem Foto sage ich ihm nicht. Er wird sonst noch eingebildeter als er sowieso schon ist.
      Liebe Grüße,
      Klaus

  3. Ich werde nächstes Jahr auf jeden Fall versuchen wieder dabei zu sein. (Dieses Jahr habe ich es nur Dank einer auf Twitter ergatterten Karte geschafft) Dann sehen wir uns vielleicht da 🙂

    Danke für die Verlinkung 🙂
    LG Sina

  4. Hallo Andrea, hallo Klaus,
    für mich war der Tag einfach toll.
    Der Beitrag als Gespräch gefällt mir auch sehr.
    Bis zum nächsten Treffen
    Silvia

    • Hallo Silvia,

      bis zum nächsten Treffen mit leckeren Keksen? 😉 Sie waren wirklich gut!

      Sehr gerne, wir würden uns freuen!

      Liebe Grüße
      Andrea

  5. Ein schöner Beitrag, der mich noch einmal dorthin zurückversetzt. Da ihr einige andere Workshops besucht habt, als ich, bekomme ich durch euren Beitrag einen schönen Einblick über das verpasste ;-).

    Es war sehr nett euch zu treffen.

    Viele liebe Grüße

    Anja

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  1. Die LitBlog Convention 2017 – Was habe ich erlebt? – Sinas Geschichten

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