10. Dezember 2018

Viele tolle Buchgeschäfte – und auch: Mein neuer Buchladen.

Glücklich ist, wer den Moment genießt
Alter Krempel unter sich

Im letzten Jahr habe ich meinen Arbeitsplatz gewechselt. Mit besonderen Folgen für meine Lesewelt.

Auf dem Weg zu meiner bisherigen Arbeitsstelle befindet sich mein bis dahin bevorzugtes Bielefelder Buchgeschäft: Die Buchhandlung Schwarz. Belesene und gesprächsbereite Buchhändlerinnen mit einem tollen Gespür für „wenn Ihnen dies gefällt, dann sehen Sie sich doch mal das an“. Und das ohne Algorithmus, sondern dem Gefühl für Bücher und Menschen.

Und nun? Nein, keine Sorge, jetzt kommt kein „und nun kaufe ich nur noch im Netz.“ Nö. Auf meinem Weg nach Hause gibt es in Heessen dieses kleine (typische) BuK – Geschäft. Ein Familienbetrieb, den ich vor meiner Schwarzzeit immer um Bestellungen gebeten habe. Und zwar für Bücher, die ich nicht beschnuppern musste, sondern von denen ich wusste, dass ich sie wollte. Hier habe ich mich nie beraten lassen, sondern bestellt und gekauft.

Diese Geschäftsbeziehung wurde also wieder aktiviert. Das Besondere am Buchkauf ist allerdings das Stöbern und das Anlesen. Dazu brauche ich aber ein Buchgeschäft mit einem Sortiment, das mich dazu einlädt. Dazu ist unser BuK in Heessen zu klein.

Das Stöbern macht uns (nein, ich spreche nicht im Pluralis Majestatis von mir, sondern in diesem Falle auch für Andrea) insbesondere in Geschäften Spaß, in denen ein buntes, abwechslungsreiches Sortiment angeboten wird, das unseren Lesewünschen entgegen kommt und neues offeriert.

Da ich mich an meiner neue Arbeitsstelle nicht nur auf eine große Vielzahl neuer Menschen, sondern auch auf neue Themen und fachliche Inhalte einstellen musste, blieb mir zum Ende des Jahres immer weniger Platz im Kopf zum Bloggen. Den Platz, den ich frei hatte, um neue Fantasiereisen zu unternehmen und mich in mir zu sortieren, habe ich zum Lesen verwendet – und nicht zum darüber schreiben und natürlich zum Bücher kaufen.

Neben der Tatsache, dass die Buchhandlung Schwarz jetzt nicht mehr auf meinem Arbeitsweg liegt und ich nun nach anderen Buchhandlungen gesehen habe, die in meinem Arbeitsumfeld liegen (denn wo kann man eine Mittagspause sonst noch so schön verbringen), waren Andrea und ich auf Reisen und haben verschiedene schöne Buchgeschäfte entdeckt.

Knapp 45 Minuten von zuhause entfernt, in Soest, fanden wir die Rittersche Buchhandlung. Diese feine Buchhandlung befindet sich im Soester Zentrum in einem alten Geschäftshaus. Das Büchersortiment ist bunt, modern, international und politisch, die Ansprechpartner*innen sind tatsächlich als solche tätig –  und freundlich sind sie obendrein. Besonders hat mit eine kleine Ecke gefallen, in der Bilderbücher zum Thema Trauer aufgestellt waren. Liebevoll, konzentriert und abgeschieden.

Zur Jahresmitte und zum Anfang des Herbstes machten wir Urlaub und – im Urlaub sind Buchgeschäfte wirklich wichtig.

In Bradford, dem ehemaligen Zentrum des Wollhandels in Yorkshire, wurde in einem mittelalterlichen kirchenartigen Gebäude (der Wool – Exchange) mit Wolle gehandelt. Wolle gibt es natürlich noch in Yorkshire – in der ehemaligen Woll – Börse wird nun mit Büchern gehandelt. Der englische Grossist Waterstone hat die Wollbörse liebevoll restauriert und zu einem wirklich feinen Buchgeschäft umgebaut. Es ist absolut sehenswürdig.

In Jerusalem, Ziel unserer Herbstreise, hatten wir ein besonderes Buchgeschäfterlebnis: Bei 32 Grad Außentemperatur war der Schreck groß, als wir das bei Google gefundene Antiquariat nach einer schweißtreibenden Wanderung durch die Neustadt Jerusalems betraten: Das Geschäft war etwa 16 qm groß. Die Hälfte des Ladens war mit Schreibtischen voll gestellt, ein kleines Bücherregal stand an einer Wand. Wir hatten uns jedoch weder geirrt, noch war der Laden geschlossen:  Das Bücherarsenal befindet sich in Kellerräumen, die mehrere Häuser miteinander verbinden und auf einer enormen Fläche Bücher aus aller Welt und gewöhnlichen und ungewöhnlichen Literaturbereichen beinhaltet. Die Book Gallery habe ich schon hier vorgestellt. Ach ja: sie verfügt übrigens über eine Klimaanlage. 😉

Wenn wir zur Buchmesse nach Frankfurt fahren, quartieren wir uns gerne in einer Ferienwohnung ein. Da können wir kochen und ausruhen und … naja, wenn ich schnarche, mache ich das meist ganz für mich 😉

Von unserer Wohnung führte der Weg zur Messe durch Seeheim – Jugenheim an der Buchhandlung Zabel vorbei. Diese Buchhandlung verfügt über so viele Bücher, dass diese nicht nur in Regalen stehen, sondern auch auf den Büchern in den Regalen liegen. Wenn sich der geneigte Leser also durch die Regale gepflügt hat, wirkt das Sortiment wieder ganz neu sortiert und die Entdeckungsreise kann von neuem beginnen. Dies umso mehr, wenn mehrere Menschen stöbern. Ein Wunder, dass die Buchhändlerin auf Anfrage Suchanfragen beantwortete, indem sie das gesuchte Buch direkt aus dem jeweiligen Regal zog. Wow.

Der Höhepunkt unseres Buchhandlungsjahres 2017 war eine Einladung von BücherSteffi und BücherBjörn, die uns den Bücherwurmtraum erfüllten: Wir durften uns mit ihnen und Geburtstagskind Heidrun nebst bester Freundin in einem Buchgeschäft einschließen lassen.

Der freundliche, ziemlich verrückte und witzige Buchhändler Olaf Bachmann, den man auch schon auf seiner Facebook – Seite im Werbefilm für den damals neuen Sebastian Fitzek Thriller Flugangst bewundern konnte, schloss uns nach Feierabend in seinem Buchladen in Schwerte ein, wo wir bei Wein und Wasser und bei Salat und Lakritzen in den Regalen stöberten, uns in den Sesseln fläzten und über Bücher, das Lesen und Geschichten plauderten.

Tja, und nun?

Es bestand ja die bange Frage, wo ich meine Mittagspause verbringen und nach Büchern stöbern kann.

Seit dem vergangenen Samstag ist diese Frage wunderbar beantwortet:

Mein neuer mostly frequented Buchladen heißt Eulenspiegel, befindet sich nur wenige Gehminuten von meinem Büro entfernt und hat ein großartiges Angebot. Aus der studentisch linken Bewegung der Siebziger des vergangenen Jahrhunderts entstanden, findet sich in Eulenspiegel´s Angebot viel Politisches, Bücher aus ungewohnten Verlagen, eine große Literaturvielfalt und natürlich gilt die Regel „heute bestellt und wenn es gut läuft, morgen abgeholt“.

Ich freue mich.

 

Und Andrea ergänzt: Ich möchte auch nicht meinen Stamm-Buchladen vorenthalten. Die Buchhandlung Hornung in Unna hat nicht nur den Vorteil, nur fünf Gehminuten von meinem Büro entfernt zu liegen, sie überzeugt auch mit einer guten Bandbreite. Die Bestseller-Listen finden sich hier genauso wie die Stöber-Ecken mit den kleinen Besonderheiten, die der Inhaber gekonnt einkauft. Ergänzt wird das Sortiment um ein kleines Antiquariat. Sehr praktisch ist der gut aufgebaute Internetauftritt mit der Möglichkeit, Bücher zu bestellen (Lieferung über Nacht) und ebooks direkt herunter zu laden. Seit fast vier Jahren fließt hier ein nicht unerheblicher Teil meines Bücherbudgets hin.

 

Und 2018? Neue Reiseziele, neue Stöberziele. Klaus schaut bereits nach Buchhandlungen in Quito. Wer noch gute Tipps für Ecuador hat – gerne her damit!

 

 

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Über Klaus Daniel 166 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

2 Kommentare zu Viele tolle Buchgeschäfte – und auch: Mein neuer Buchladen.

  1. Sehr schöner, abwechslungsreicher Artikel über verschiedene Buchhandlungen. Die ja alle irgendwie zu den schönsten Orten der Welt gehören, oder nicht?
    Aber den ausdruck BuK – Geschäft kenne ich nicht. Was ist mir hier entgangen?
    Viele Grüße
    Silvia

  2. Hallo Silvia,

    BuK ist die Abkürzung für „Buch und Kunst“. In den Läden finden sich nicht nur Bücher, sondern eben auch Deko, Papeterie usw.. In diesem Fall leider fast 50:50, was das Stöbern in Büchern deutlich verkürzt… 😉

    Danke für Deinen schönen Kommentar!

    Liebe Grüße
    Andrea

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