20. September 2020

Die Frankfurter Buchmesse 2016 – Resümee beim Abendessen

Foto:Klaus und Andrea Daniel

Wir sind zurück von der Frankfurter Buchmesse. Ein ganzes Wochenende, das den Büchern gewidmet war. Für uns beide war es Büchermessen-Premiere: persönlich und für uns als Buchblogger. Und auch, wenn es krankheitsbedingt nicht ganz so gelaufen war wie geplant, ist uns danach, bei unserem Lieblings-Italiener das Wochenende ausklingen zu lassen.

 

Andrea: Na, dann erst mal „Prost!“, auf ein schönes Bücherwochenende! Was ist Dir denn, so unmittelbar nach unserer Rückreise, noch am eindringlichsten im Gedächtnis geblieben?

Klaus: Ich muss sagen, ich war beeindruckt, wie viele Verlage es gibt. Dass es neben den großen bekannten noch etliche kleine gibt, war mir durchaus bewusst. Aber dass es SO viele gibt, vor allem, wenn man dann noch die internationalen einbezieht, das war mir nicht klar. An einigen Ständen habe ich interessante Gespräche geführt, in denen die Verlage ihre Unternehmensphilosophie dargestellt haben. Der Aschendorff -Verlag aus dem Münsterland beispielsweise, der sich v.a. auf Bildungsthemen, Geschichte, Politik, Regionalia (interessantes Wort, oder?) usw. spezialisiert hat, oder der Verlag Ch. Links, der sich „Zeitgeschichte entdecken“ auf die Fahne geschrieben hat und in seinen Büchern abbildet. Besonders beeindruckend: „Brandgefährlich – Wie das Schweigen der Mitte die Rechten stark macht – Erfahrungen eines zurückgetretenen Ortsbürgermeisters“ im September 2016 erschienen. Also nicht nur Brandgefährlich – sondern auch Brandaktuell, das war schon äußerst spannend. Und dann noch den ein oder anderen Stand mit Selfpublishern, die noch mal eine eigene Spezialisierung hatten – zum Beispiel der Whiskyliebhaber, der seine Krimis mit der Whiskyherstellung verknüpft: Bei mir hat das die Neugierde angefacht.

Andrea: Ja, das kann ich verstehen, das fand ich auch beeindruckend. Es war sehr sympathisch, wie schnell man an den Messeständen ins Gespräch gekommen ist. Meinerseits muss ich aber trotzdem sagen, dass unser erste Messetag für mich ein kleiner Kulturschock war. Ich hatte die unreflektierte Erwartung, dass die FBM im Grunde ein riesiger Buchladen sei. Und alles, was ich mit Lesen, in Büchern stöbern, Bücher kaufen in Verbindung bringe – nämlich Ruhe, Konzentration, kleine Beratungsgespräche – habe ich auch von der Messe erwartet. Das war erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes eine Ent-Täuschung, dass uns stattdessen reichlich Trubel erwartete, dass die meisten Verlage nur ihre aktuellen Neuerscheinungen dabei hatten und dass die Gespräche bei weitem nicht nur Bücher an sich zum Inhalt hatten.

Klaus: Enttäuschung klingt ja erst mal nicht so gut. Wie ging es für Dich weiter?

Andrea: Nun ja, ich habe dann ja festgestellt, dass es eben auch ganz andere, ebenfalls sehr spannende Dinge gehen kann. Am Besten fand ich eigentlich die persönlichen Kontakte. Das Gespräch mit Sebastian vom Homunculus-Verlag war sehr spannend. Sebastian ist nicht nur ein sympathischer Typ, er hat auch vieles aus der Verlagsarbeit berichtet. Mir als Laie, einfach nur begeisterte Leserin, war ja nur rudimentär klar, was für Arbeit in einem Verlag geleistet wird! Und dieser Verlag wird ja quasi nebenberuflich von den Inhabern geführt – was für eine Begeisterung und was für ein Engagement!

Auch das Treffen mit Mina, die ich bisher nur von Twitter und ihrem Blog her kannte, war ausgesprochen nett und angenehm. Es ist schön, auch mal die Menschen hinter den Worten kennen zu lernen. Ganz zu Anfang „unserer“ Messezeit sind wir ja direkt auf Mara Giese gestoßen, die gerade über das Bloggen referierte. Auch den Kaffeehaussitzer haben wir kurz gesichtet, sein Blog ist ja einer meiner Lieblingsblogs.

Was ich sagen will: Ja, meine ursprüngliche Erwartung ist nicht erfüllt worden – aber das, was stattdessen kam, hat Spaß gemacht. Schade, dass ich dann krank geworden bin und die restlichen Messetage nicht miterleben konnte, ich hätte gerne herausgefunden, ob die FBM für mich noch eine Art eigenes Profil gewonnen hätte, trotz enttäuschter Erwartungen und trotzdem ich eigentlich kein Mensch bin, der sich in großen Menschenmassen wohl fühlt.

Klaus: Mir ging es ähnlich, ich fand auch die Begegnung mit den Menschen großartig. Oder auch, sie zu beobachten. Am Messesamstag waren ja sehr viele Cosplayer unterwegs, die in ihrem bunten Aufzug viel zu sehen boten. Aber schon vorher habe ich mich manchmal gefragt, ob die Besucher sich „verkleiden“, einfach weil es zum Messe-Kodex dazu zu gehören schien. Es waren ja ganz unterschiedliche Typen im Fachpublikum zu finden, vom Anzugträger über den Intellektuellen mit markanter Brille, Frisur oder Accessoires, bis hin zu Punks mit zerrissenen Jeans und knallbuntem Haar. Aber die Cosplayer haben schon noch mal etwas Eigenes hineingebracht, das war nicht mehr so bierernst. Da wurde es regelrecht sichtbar, wie unterschiedlich Leser sind, welche Themen sie beschäftigt. Am Samstag konnte ich ja ganz viel beobachten, das hat einfach Spaß gemacht.

Andrea: Sind wir nächstes Jahr wieder dabei?

Klaus: Na klar! Logo. Und DIR wünsche ich, dass du dann gesund bist. 😉

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Über Andrea Daniel 61 Artikel
Bibliophil, kunstaffin und reisebegeistert bloggt Andrea über Bücher, Bücherreisen und anderes.

2 Kommentare zu Die Frankfurter Buchmesse 2016 – Resümee beim Abendessen

  1. Ach, das klingt ja schön. Ein richtig cooles Format habt ihr euch für euren Beitrag überlegt. Gefällt mir richtig gut. Ich hatte fast das Gefühl, neben euch am Tisch zu sitzen.
    Und auch spannend zu sehen, was für unterschiedliche Erwartungen die Leute haben, und wie sie dann die Realität empfinden. 🙂 Die vielen kleinen Verlage haben mich bei meinem ersten Messebesuch auch total überrascht.
    Ganz liebe Grüße,
    Julia

    • Hallo Julia,

      danke für Deine Rückmeldung! Freut uns, dass Dir der Beitrag gefallen hat – und wer weiß, vielleicht ergibt sich bei der nächsten Buchmesse ja die Gelegenheit für eine gemeinsame Diskussion?

      Liebe Grüße!

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