27. November 2020

Joanna Rakoff: Lieber Mr. Salinger

Für Menschen, die Bücher mögen:

Die junge Joanna Rakoff wird nach ihrem Literaturstudium, das sie in London absolviert hat, Assistentin der Literaturagentur in New York, die J.D. Salinger vertritt.

Joanna wundert sich über die vielen Maßregeln, nach denen sie ihr Verhalten zu „Jerry“ richten soll:

„Es war das Jahr 1996 und der erste Jerry, der mir einfiel war der Sitcom – Jerry – Seinfeld, doch der gehörte vermutlich nicht zu den Klienten der Agentur…“

Dass es sich um Salinger handelt, wird ihr aber erst klar, als sie bei genauerem hinsehen in der Agentur sämtliche Werke von Salinger entdeckt und den Auftrag erhält Salingers Leserpost zu bearbeiten.

Mit J.D. Salinger verbindet Joanna zunächst nichts. Als ihr Zusammenleben mit dem jungen Autoren Don komplizierter wird, Joanna zunehmend ihr eigenes Leben hinterfragt und Salinger zum Tagesthema in der Agentur wird, beginnt Joanna nun doch seine Bücher zu lesen. Joanna ahnt nicht, wie sehr die Lektüre der Bücher von und der Leserbriefe an Salinger ihr weiteres Leben beeinflussen werden.

Der nicht ganz ins Heute passende Erzählstil von J. Rakoff braucht Zeit, sich zu entwickeln. Diese nutzt die Autorin, um ihr Universum, bestehend aus Familie, Freunden, Lebensgefährten ihren Büchern, Erinnerungen, Erfahrungen und eigene literarische Motive vorzustellen.
Zu dem langsamen Erzähltempo trägt die eigentünliche Stimmung in der Literaturagentur, die schon bald der Lebensmittelpunkt Joannas wird, bei. Denn in der Agentur wird um 1997 vollständig auf Computer verzichtet. Kommunikationsmittel sind auf Schreibmaschinen getippte Briefe, Faxe und Telefonate. Ensprechend benötigt auch die Agentur für ihre Geschäfte viel Zeit.

J. Rakoff liebt Bücher und kann das gut formulieren:

„Ich war schon fast am Ende (..meines Buches ..) angelangt und spürte schon das Verlustgefühl, das sich einstellt, wenn ein großer Roman zu Ende geht.“

Deswegen spart sie nicht mit Literaturhinweisen, die abzureisen noch einige Zeit benötigen wird.

Hat mich zu Beginn die Erzählweise etwas gelangweilt, konnte ich später gut in dem Tempo mitlesen, das die Erzählweise, das Springen zwischen Situationen und das Wechseln von Themen vorgaben.
Begeistert hat mich die Selbstreflexion Joannas und die Schlüsse, die sie daraus gezogen hat.

Ich habe gerade einen kleinen Schatz gelesen!

 

Joanna Rakoff

Lieber Mr. Salinger

ISBN: 978-3-8135-0515-3

Knaus Verlag

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Über Klaus Daniel 178 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.