22. Oktober 2018

Warum ich lese oder vielleicht auch: später Dank

Heute morgen fand ich einen Tweet des Kaffeehaussitzers mit einem Hinweis auf seinen Blogbeitrag „Warum ich lese.“ Das regte mich zu einer sehr spontanen Antwort an:

Ich lese weil ich es kann.

Das ist jetzt nicht so arrogant gemeint, wie es von dem einen oder anderen Menschen in Politik und Wirtschaft schon mal verwendet wurde – ich musste mir das Lesen erarbeiten – erkämpfen. Und ich hatte Hilfe.

Als Kind Ende der 1960er Jahre eingeschult, hatte ich große Schwierigkeiten seitenweise den Buchstaben „b“ zu schreiben. Das kleine „c“ machte mir mehr Spaß. Aber so richtig habe ich das Lesen dabei nicht lernen können. Bis wir

„Was macht Flocki? Flocki bellt..“

lesen können sollten, war ich mutlos, lustlos und überzeugt, dass lesen überhaupt nichts für mich ist.

Zum Geburtstag bekam ich dann ein Buch in Schreibschrift geschenkt. Es hieß Pollux und Zebulon Danot+Die-Abenteuer-von-Pollux-und-Zebulon-peb-bunte-Schreibschriftbücherund das Zauberkarrussel, ein Buch nach einer Kinderserie im Fernsehen, die ich sehr mochte. Allerdings verstand ich nicht, warum ich ein Buch lesen sollte, ich konnte die Serie doch im Fernsehen sehen.

Meine Leselust wurde nicht angefacht, ich  hatte das Buch sozusagen als „zweiten Bildungsweg“ geschenkt bekommen. Mein Vater wollte, dass ich lesen konnte und versuchte nun mit den Mitteln, die er als Erziehungsmittel kannte (drohen und schubsen) mir das Lesen nahe zubringen.

Meine Leseliebe wäre wohl niemals aufgeflammt wenn ich nicht die Lese – Lernerfahrungen meines Lebens gemacht hätte. In Büchern und im wahren Leben gibt es oft persönliche Helden oder Heldinnen. Menschen, die dich weiterbringen: Es nahte meine persönliche Heldin –

Meine große Schwester!

Sie las mit mir, Sie hatte Geduld mit mir und sie liebte selbst das Lesen. Und wenn die Leselernhelferin mit Liebe liest, kann diese Liebe anstecken!

Nach meinem Gefühl brauchten wir sehr lange für Pollux und Zebulon. Und es brauchte später Zeit in die Druckschrift einzusteigen. Ohne es zu merken, wurde ich nämlich nach Pollux.. direkt mit in das nächste Leseabenteuer entführt.

Und plötzlich nahm ich die vielen Bücher, die in meinem Lebensumfeld zur Verfügung standen, wahr – wir hatten natürlich eine riesige Wohnwand in dunklem Holz mit dekorativen Klassikern. Ich las aber lieber sämtliche Trotzkopf, Heidi und Pucki – Bücher meiner Schwester. Dass meine Mutter  sich Bücher aus einer Mietbücherei in der Nähe meiner Schule lieh, fiel mir merkwürdigerweise erst jetzt auf – ich hatte mein erstes Bücher El Dorado.

Ein Jahr später begann mein Buch Abonnement. Ab dem achten Geburtstag bekam ich nun an jedem Weiteren ein oder manchmal auch zwei Karl – May – Bücher zum Geburtstag von meinen Paten geschenkt.

Karl May war ein Leseerlebnis, das meine Jugend geprägt hat: Meine Vorstellung vom Reisen, mein Freiheitsbegriff und meine Einstellung zur Geschwisterlichkeit aller Menschen. Und ich lernte, dass Bücher sich nicht so leicht ergeben. Oft war es ein kämpfen mit den seitenlangen Landschafts – und – Umstands – Beschreibungen von Karl May, bis mich die Handlung fesseln konnte.

Ich lese weil ich es kann –

                              und weil ich nicht mehr anders kann.

Denn Lesen ist auch die Erfüllung einer Sehnsucht – nach neuen Welten, nach schönen oder aufregenden oder Sinn-stiftenden oder ganz anderen Geschichten. Lesen bildet und hält meine Seele gesund. Das Lesen bereichert mich und regt mich an über den Tellerrand hinaus zu denken.

Ich kann lesen heißt für mich also nicht nur den Vorgang des Lesens zu beherrschen, Ich kann Lesen heißt auch:  Ich empfinde Vorfreude auf die Geschichte, ich schätze das innere und äußere Gewicht eines Buches, mit jedem Buch mache ich mich bereit für eine Reise.

Vielen Dank Karin. Dass ich Lesen kann.

 

Nachdem ich den Kaffeehaussitzer gelesen hatte, schaute ich natürlich auch bei Novelero vorbei und fand weitere Texte von BloggerInnen zu der Frage warum sie lesen. Die Adressen, gefunden bei Novelero, gebe ich gerne weiter.

 

Sophie Weigand – Literaturen

Jochen Kienbaum – lustauflesen.de

Chris Popp – booknerds

Laurent Piechaczek – booknerds

Clemens Seitner – Hundstrüffel

Uwe Kalkowski – Kaffeehaussitzer

 

 

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Über Klaus Daniel 165 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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