11. Juli 2020

Reisen zu inneren und äußeren Kontinenten – das Humboldt-Lese-Projekt

Foto: Andrea Daniel

Bisher war mir von Wilhelm und Alexander Humboldt nur wenig mehr bekannt, als dass die beiden prägende Figuren der Aufklärung und der deutschen Kulturgeschichte gewesen waren: der eine als Universalgelehrter, Philosoph und Geisteswissenschaftler, der andere als Forscher, Reisender und Naturwissenschaftler, beide befreundet mit Goethe und Schiller. An der Humboldt-Universität bin ich bei meinen Berlin-Besuchen immer mal wieder vorbei gegangen, in Büchern über Humanismus fiel der Name Humboldt häufiger. Das war es.

Manchmal müssen wohl mehrere Dinge zusammenkommen: Erst kurz von einer Mexiko-Reise zurückgekehrt, stieß ich eher zufällig auf das Buch von Werner Biermann über die Südamerika-Reise Alexander von Humboldts. Und beim Lesen packte es mich. Der Entdeckergeist Alexander von Humboldts war geprägt von einer respektvollen Haltung gegenüber Mensch und Natur. Obwohl auf das Detail schauend, dachte von Humboldt groß und brachte seine Beobachtungen in übergeordnete Zusammenhänge – ein Denken, das aktuell wieder neu entdeckt und geschätzt wird. Nicht nur seine Herangehensweise, auch der Mut, diesen Weg trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten konsequent zu gehen, hat mich beeindruckt.

Am meisten aber hat mich wohl bewegt, dass Alexander von Humboldt von einer Neugierde auf die Welt getrieben war, von seinem Drang zu forschen, zu entdecken, zu durchdringen, immer neue Fragen zu stellen. Ich kenne diesen Forscherdrang durchaus von mir, und wer weiß… in einer anderen Zeit… unter anderen Umständen… aber lassen wir das. Biermanns Buch, das ich bereits ausführlicher besprochen habe, hat mich neugierig gemacht. Die kleine vorangestellte Biografie Humboldts kommt natürlich nicht ohne einen Einbezug von Wilhelm von Humboldt aus. Aber ich muss zugeben: von ihm weiß ich noch viel weniger.

Dies bei einem Abendessen erwähnt, führte dazu, dass mein Mann am nächsten Tag seine Lieblings-Buchhandlung aufsuchte und der Buchhändlerin seines Vertrauens von meinem Interesse berichtete. Diese stellte umgehend weitere Werke zu den Humboldt-Brüdern vor. Und so wuchs langsam die Idee heran, mich in einem Lese-Projekt ausführlicher mit den Brüdern Wilhelm und Alexander von Humboldt zu beschäftigen. Es geht mir weniger um die Aneignung von Faktenwissen, als mehr darum, ein Verständnis für die beiden Brüder zu entwickeln. Wenn auch Wilhelm von Humboldt keine spektakulären Reisen zu anderen Kontinenten und Kulturen unternahm, so setzte er sich doch intensiv mit dem Menschen und mit seiner Welt auseinander. So beschreibt es der Biograf Michael Maurer sehr passend, wenn er schreibt:

Während Alexander sich nach außen wandte, erschloss Wilhelm den inneren Kontinent des Menschen.

Vier Bücher, eins davon bereits gelesen, haben bisher Einzug in das Lese-Projekt gehalten:

Und dann gab es noch einen interessanten Hinweis von Birgit Böllinger von Sätze & Schätze, das ebenfalls in die Sammlung aufgenommen wurde:

Auch Jochen Kienbaum mit seinem Blog „LustaufLesen“ ermutigte mich dazu, die Originalwerke von Alexander von Humboldt zu lesen. In einem seiner Blogbeiträge stellt er zwei Werke vor, die ich mir jetzt anschaffen werde, nämlich „Mein vielbewegtes Leben“ und das Haupt- und Lebenswerks Alexander von Humboldts, den unvollendeten „Kosmos“. Ersteres ist vergriffen, ich konnte aber die Ausgabe im Gebrauchtbüchermarkt bekommen, bei zweitem zögerte ich lange ob des Preises – bis mein Mann dies beherzt entschied mit einem kurzen „Kriegste zum Hochzeitstag“.

Ziel meines Lese-Projektes ist es nicht, in kurzer Zeit alle Bücher gelesen und mein Wissen erweitert zu haben. Ich werde immer mal wieder eins der Bücher lesen und hier darüber berichten. Mir geht es um ein Kennenlernen dieser beiden spannenden Brüder, um ein tieferes Verständnis ihres Denkens. Und nicht zuletzt darum, meinem eigenen Forscherdrang Genüge zu tun, Neues zu entdecken, neue Gedanken zu denken.

Wenn jemand noch zu diesem Lese-Projekt Anregungen, Literaturtipps (sowohl Sachbücher als auch Romane – den Kehlmann-Roman habe ich allerdings bereits gelesen) hat, würde ich mich sehr über entsprechende Hinweise freuen. Über Anmerkungen, Diskussionen und eigenen Berichten natürlich auch.

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Über Andrea Daniel 61 Artikel
Bibliophil, kunstaffin und reisebegeistert bloggt Andrea über Bücher, Bücherreisen und anderes.

2 Kommentare zu Reisen zu inneren und äußeren Kontinenten – das Humboldt-Lese-Projekt

  1. Liebe Andrea, von Deinem schönen Humboldt-Projekt habe ich über den Netzrückblick vom „Kaffeehaussitzer“ erfahren. (sie hier: http://www.buchmarkt.de/kolumne/kaffeehaussitzers-netzrueckblick-november-2016-fundstuecke-aus-den-literaturblogs/) Du hast Recht, es ist auch heute noch sehr anregend, sich mit den Humboldts und ihren Texten und Ideen auseinanderzusetzen. Wie Alexander methodisch vorgegangen ist, wie er sein Weltbild formte und welche Vorstellungen er von Naturwissenschaft hatte, läßt sich am besten bei ihm selbst studieren. Sein „Kosmos“, das unvollendete Riesenwerk der Welterklärung, ist seit einigen Jahren wieder (und immer noch) ungekürzt erhältlich.
    Wenn Dich das interessieren sollte, findest du in einem Beitrag von mir für nähere Details. http://lustauflesen.de/alexander-humboldt-kosmos/
    Ich hoffe, ich war nicht zu aufdringlich.
    Herzlichst – Jochen

    • Hallo Jochen,

      nein, aufdringlich war das ganz und gar nicht! Im Gegenteil, ich habe gerne in Deinem Beitrag gelesen und ich denke, es ist eine gute Verwendung des Weihnachtsgeldes, in die von Dir vorgestellten Bücher zu investieren.
      Manche Anregung kommt einfach zur richtigen Zeit: nach der letzten Lektüre zu Humboldt (das Buch von Andrea Wulf habe ich vorgestern beendet, am Wochenende wird es hier die Buchbesprechung geben) hatte ich selbst schon darüber nachgedacht, den „Kosmos“ mal zur Hand zu nehmen. Nun ist er bestellt und wird hier im Leseprojekt Eingang finden.
      Daher ganz herzlichen Dank für Deinen Beitrag und die Verlinkung!

      Liebe Grüße
      Andrea

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