1. Dezember 2020

Sasha Abramsky: Das Haus der zwanzigtausend Bücher

IN EINEM HAUS VOLLER  BÜCHER!!

–  lebten die Großeltern des britischen Journalisten Sasha Abramsky. Abramskys Großvater hatte einer der größten Privatsammlungen Englands zusammengetragen. Die Bücher, Manuskripte, Handschriften und Briefe in der Sammlung des Großvaters waren ein Abbild der gesellschaftlichen Diskussionen und politischen Verläufe in Europa.

Eine derart umfangreiche Sammlung baute Chimen Abramsky, 1916 in Minsk geboren, Sohn eines bekannten orthodoxen Rabbiners im Laufe seines Lebens auf. Chimen Abramsky musste Revolution, Bürgerkrieg, Pogrom, Diktatur, den 2. Weltkrieg und Emigration erleiden. In England arbeitete er als Antiquariatsbuchhändler, später dann, aufgrund seiner enormen Fachkenntnisse, als Berater bei Sotheby`s. Später lehrte chimen Abramsky als Professor für Geschichte und jüdische Studien.

Sasha Abramsky, in Amerika lebender Autor und Journalist, beschreibt in seinem Buch „Das Haus der zwanzigtausend Bücher“ die kleine Doppelhaushälfte im Norden Londons, in der seine Großeltern lebten und beschreibt, dass diese Universalbibliothek mit einzigartigem Inhalt  ein politikgeschichtliches Denkmal war.  Jeder Raum, „mit Ausnahme von Badezimmer und Küche“, war vom Boden bis zur Decke mit Regalen mit doppelten Bücherreihen vollgestopft. Der Boden war unter Bücher- und Zeitungsstapeln kaum zu sehen.

Die Sammlung beinhaltete in Vitrinen Hunderte der seltensten sozialistischen Bände und Schriften – Bücher mit Marx‘ handschriftlichen Notizen, Abhandlungen von Trotzki, das Typoskript der Doktorarbeit von Rosa Luxemburg, Dokumente zur Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert. Über die einzelnen Räume verteilten sich vor allem Kostbarkeiten der Bereiche sozialistischer und jüdischer Geistesgeschichte, darunter Erstausgaben von Spinoza und seltene Talmudausgaben.

Chimen Abramsky sagte von sich, als er 90 wurde:

„Mein einziges Vergnügen besteht darin, ohne Unterlass zu lesen.“

Sasha Abramsky bringt nicht nur mit der Schriften Sammlung seines Großvater zum Staunen, er verknüpft in der Schilderung seiner jüdischen Familiengeschichte die Stränge gesellschaftlich – politischer Entwicklungen in Europa des vergangenen Jahrhunderts.

 

Sasha Abramsky: „Das Haus der zwanzigtausend Bücher“
dtv, München 2015                                                                                                                                ISBN 978-3-423-28062-4

 

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Über Klaus Daniel 178 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.