29. Oktober 2020

Zehn Fragen zu Büchern: Sätzeundschätze.com fragt

Foto: Andrea Daniel

Sätze&Schätze ist einer der Blogs, die ich regelmäßig lese. Birgit Böllinger schreibt über Bücher und Leseerfahrungen und hat auf ihrem Blog zehn Fragen zu Büchern und zum Lesen gestellt. Sie haben mich etwas Zeit zum Nachdenken gekostet und ich habe intensiv in Erinnerungen gewühlt. Und jetzt hier meine Antworten:

 

1. Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?

Welches Buch das ALLERerste war, daran kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern. Ganz sicher habe ich aber früh und gern die Bücher von Otfried Preußler gelesen, „Die kleine Hexe“, „Das kleine Gespenst“ und später „Krabat“.

2. Das Buch, das Deine Jugend begleitete?

„Unterm Rad“ von Hermann Hesse. Dieses Buch war eines der wenigen der Schullektüren, das mich wirklich gepackt hat. Ich habe es einen Tag vor einer Mathearbeit abgeholt, wollte nur ein wenig reinstöbern – und habe es, ohne abzusetzen, durchgelesen. Die Konsequenzen folgten schnell: Die Mathearbeit habe ich mit der ersten und einzigen „6“ meiner Schullaufbahn versemmelt. Das war das Buch aber wert: Dieses Gefühl, nicht in die Welt zu passen, nicht den gesellschaftlichen Anforderungen zu entsprechen, das Hesse in seinem autobiografisch eingefärbten Roman aufzeigt, beschreibt sehr gut mein damaliges Lebensgefühl.

3. Das Buch, das Dich zur Leserin machte?

Kein Buch, tatsächlich ein Lehrer: unser Deutsch- und Geschichtslehrer in der 10. und 11. Klasse. Er hat es meisterhaft verstanden. Neugierde dafür zu wecken, nicht nur Texte zu analysieren und Inhaltsangaben zu schreiben, sondern Autoren und ihre Werke in einem größeren Kontext einzuordnen – Lebensgeschichten, geschichtliche Zusammenhänge, gesellschaftliche und politische Themen der Zeit. Damit habe ich zum ersten Mal angefangen, Sekundärliteratur und später eben auch Sachbücher zu lesen. Gleichzeitig hat dieser Lehrer erkennbar seine eigene Freude an Literatur weitergeben wollen, das Genießen von Geschichten und Sprache. Vielleicht nicht ganz der „Oh Captain, mein Captain“ aus dem „Club der toten Dichter“, aber schon nahe dran. Diesen Film habe ich übrigens auch genau in dieser Zeit gesehen. Er hat mich zutiefst berührt. Ich glaube, all das hat zusammen damit, dass mich Bücher schon seit meiner frühen Kindheit begleiten, dazu beigetragen, dass Lesen eine echte Herzensangelegenheit für mich ist.

4. Das Buch, das Du am häufigsten gelesen hast?

Im Erwachsenenalter habe ich tatsächlich kein Buch mehr als einmal gelesen. In meiner Kindheit und Jugend war das anders; Bücher, die mir gefielen, habe ich Monate später gern noch mal gelesen. Von daher könnte „Die Brüder Löwenherz“ möglicherweise das Buch sein, das ich am häufigsten gelesen habe.

5. Das Buch, das Dir am wichtigsten ist?

Das kann ich tatsächlich nicht sagen. Es gibt einige Bücher, die lange in mir nachgehallt sind. In Bezug auf Romane und Erzählungen habe ich hier schon einmal davon geschrieben, auf welche Bücher ich nicht verzichten möchte. Selbst diese Liste ändert sich, bis auf die ersten drei in den „Top Ten“ vielleicht, immer mal wieder. Aber auch das ein oder andere Sachbuch ist mir wichtig. Aktuell imponiert mir in der Beschäftigung mit dem Leben und den Werken der Humboldt-Brüder nicht nur deren Gelehrtheit, sondern auch deren Haltung zur Welt und zum Menschen. Daher gewinnen auch die Bücher, die ich darüber lese, an Bedeutung für mich.

6. Das Buch, vor dem Du einen riesigen Respekt bzw. Bammel hast?

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. Inhaltlich interessiert es mich sehr, es ist auch in einer sehr spannenden Zeit angesiedelt. Aber die komplexe Struktur und Proust´s Stil lassen mich zurückschrecken…

7. Das Buch, das Deiner Meinung nach am meisten überschätzt wird?

Uff, schwierige Frage! Ich maße es mir nicht an, darüber zu urteilen, zumal ich keinerlei literaturwissenschaftliches Hintergrundwissen habe. Ich wandele daher die Frage mal so ab: Mit welchem Buch/ welchem Autor, der großgeschrieben wird, kannst du nichts anfangen? Und meine Antwort darauf – ich hoffe, niemand steinigt mich: Johann Wolfgang von Goethe. Mir ist klar, wie umfassend gebildet und klug dieser Mann war und ich erkenne auch seine Bedeutung an. Das ändert nichts daran, dass mich seine Bücher nicht ansprechen. Ich finde einfach keinen Zugang, auch wenn ich die Themen seiner Werke  durchaus interessant finde.

8. Das Buch, das Du unbedingt noch lesen willst – wenn da einmal Zeit wäre?

Die Zeit nehme ich mir! „Die Fahrt der Beagle“ – die Tagebuchaufzeichnungen von Charles Darwin während seiner Forschungsreise.

Es ist ein kleiner Lebenstraum von mir, nach Ecuador zu reisen und dann, wenn möglich, auch einen Abstecher zu den Galapagosinseln zu machen. Wir sparen zurzeit kräftig darauf hin. Da muss, zumal mich Naturwissenschaften ja auch interessieren, die Lektüre dieses Buches sein!

9. Das Buch, das Dir am meisten Angst macht?

Der Koran – oder besser gesagt: was manche daraus machen und hineininterpretieren. Nicht der Islam macht mir Angst. Eigentlich möchte ich den Koran gerne mal lesen, um den Islam besser zu verstehen. Ich weiß aber, auch durch meine Reisen, wie sehr man oft an seine eigenen persönlichen und geistigen Grenzen gerät, wenn man sich mit einem anderen Kulturraum auseinandersetzt. Mir ist daher klar, dass ein vollständiges Verständnis eher nicht gelingen kann. Genau deswegen macht es mir Angst, wie viele westliche „Islamexperten“ ihren Sermon in Bezug auf Flüchtlinge mit muslimischen Hintergrund, Terrorgefahr und Radikalisierung dazu geben und wie brandgefährlich dies wirken kann. Und andersherum: An wie vielen Stellen der Koran, wie andere religiöse Schriften auch, zur Rechtfertigung von Unmenschlichkeit und Verbrechen missbraucht wird.

10. Das Buch, das Du gern selbst geschrieben hättest?

„Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ – Ein Buch zu schreiben, traue ich mir nicht zu. Ich vermute auch, dass meine romantische Vorstellung vom in der Bibliothek sitzenden, Tee trinkenden, Katze streichelnden und dabei wunderbare Worte tippenden Autor eher unzutreffend ist. Es ist gut, dass es einige andere, wirklich begabte Menschen gibt, die sich dem Schreiben widmen.

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Über Andrea Daniel 61 Artikel
Bibliophil, kunstaffin und reisebegeistert bloggt Andrea über Bücher, Bücherreisen und anderes.