18. November 2018

10 Bücher oder: Erinnerungen an Sylvia

„Wenn du nur 10 Bücher mitnehmen könntest, welche wären es?“

Mit dieser Frage begann Sylvia eine Onlinediskussion, die begeistert aufgenommen wurde. Sylvia befand sich kurz vor einem Umzug, ein Anlass, den viele dazu nutzen, genau zu überlegen: „Lohnt es sich, das von A nach B zu schleppen oder kann das weg?“, und so diskutierten wir eifrig über bahnbrechende Bücher, die einfach notwendig sind in unserem Leben,  und auch deren Reihenfolge in unseren persönlichen „Hitlisten“.

Meine fällt heute anders aus als damals. Das „Siegertreppchen“ ist aber seit Jahren unverändert:

  1. Thomas Mann: Die Buddenbrooks

Ja, schon die Story an sich ist interessant. Was diesen Roman für mich aber zu einem Hochgenuss macht, ist die berührende Eleganz von Mann´s Sprache…

  1. Jonathan Franzen: Die Korrekturen

  2. Charlotte Bronte: Jane Eyre

Und der „Rest“ meiner Top 10-Liste, einige Bücher sind „ausgetauscht“, neue sind hinzu gekommen:

  1. Ulla Hahn: Das verborgene Wort

Der autobiografische Roman erinnert mich an mich selbst und das Entdecken der Schönheit der Sprache

  1. Jane Austen: Sinn und Sinnlichkeit

  2. Andy Weir: Der Marsianer

Da hat sich tatsächlich ein Science-Fiction-Roman in meine Top 10 geschlichen! Ursprünglich wurde ich durch eine Radiorezension neugierig gemacht, die davon sprach, dass das, was der Protagonist auf dem Mars treibt, durchaus von der NASA als realistisch eingeschätzt wird aufgrund des aktuellen Forschungsstands und dem, was für Geräte und Materialien entwickelt wurden. Das Ganze wird dann auch noch äußerst unterhaltsam und spannend erzählt.

  1. John Irving: Gottes Werk und Teufels Beitrag

  2. Stephen Hawking: Eine kurze Geschichte der Zeit

Ja, auch ein Sachbuch ist in meiner Liste…

  1. Harry Mulisch: Die Entdeckung des Himmel

  2. Cheryl Strayed: Wild – Der große Trip

Die Protagonistin, die sich in einer durch den viel zu frühen Tod ihrer Mutter ausgelösten umfassenden Krise befindet, macht sich auf eine mehrmonatige Wanderung auf den Pacific Crest Trail, „um die zu werden, zu der meine Mutter mich erzogen hat.“ Berührend und ehrlich: „Was, wenn ich nie erlöst werde? Was, wenn ich längst erlöst bin?“

Ich habe mich beim Erstellen dieser Liste auch gefragt, ob dies jetzt einfach meine zehn Lieblingsbücher sind und ob ich sie auch benennen würde, wenn ich für den Rest meines Lebens nur zehn Bücher zur Verfügung hätte. Lieblingsbücher können, einmal gelesen, ja auch jahrzehntelang im Regal verstauben. Nur noch zehn Bücher überhaupt lesen zu können, würde bedeuten, dass diese mich lebenslang begleiten. Aber ja – die Liste würde genau so ausfallen. Diese Bücher bieten eine gewisse Komplexität, ich kann mir gut vorstellen, in unterschiedlichen Lebenssituationen immer wieder Neues in ihnen zu entdecken.

Diese Diskussion war der Startschuss für eine jahrelange E mail- und Brieffreundschaft mit Sylvia. Wir schrieben über Gott und die Welt. Sylvia, nur wenige Jahre älter als ich, hat mir so manchen Gedankenanstoß, manchmal auch unbequemer Art, gegeben. Und immer wieder waren Bücher Thema unseres Austausches. Leider haben wir uns nie persönlich kennen gelernt – Sylvia starb vor anderthalb Jahren.

Ich hoffe, dass du dort, wo du jetzt bist, deinen Frieden hast – und eine schöne Leseecke mit allen Büchern, die es sich lohnt zu lesen!

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Über Andrea Daniel 59 Artikel
Bibliophil, kunstaffin und reisebegeistert bloggt Andrea über Bücher, Bücherreisen und anderes.

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