17. August 2018

Alan Bennett: Die souveräne Leserin

Mit einem Wort:

Hach.

In einem Antiquariat in Jerusalem fand ich ein Buch und nun endlich auch die Gelegenheit zum Lesen und Weiterfreuen.

Aber mehr:

Stellen wir uns die Königin als Mensch vor. Und dann noch als Mensch, sehr vom Job, der mehr als Berufung ist, völlig vereinnahmt. Und das schon seit langer Zeit. Dann haben wir vermutlich einen Zipfel von dem erfasst, wie der Job/Beruf/Berufung einer Königin so sein kann.

Alan Bennett hat sich eine Königin Elisabeth von England vorgestellt, die noch nie etwas gelesen hat, was nicht mit ihrem Beruf zu tun hat: Keine Gedichte, keine Geschichten, keine Bücher. Unvorstellbar? Für Alan Bennett als Ausgangslage seiner Geschichte erst mal nicht.

Die Queen ist mal wieder im Buckingham Palace unterwegs, als sie hinter dem Küchenbereich einen Bibliotheksbus vorfindet … und ihre Lese-Geschichte beginnt! Mehr aus Höflichkeit denn aus Interesse leiht Elisabeth, Königin von England, ein Buch aus dem Bibliotheksbus und wird damit eine von zwei Nutzern des Busses aus dem Buckingham Palace.

Erst einmal auf den Geschmack gekommen, verändert die Königin ihren Alltag und infolge den Ihres gesamten Umfeldes. Bald schon gibt es eine Person ihres besonderen Vertrauens, einen „Bücherbeauftragten“ ihrer Majestät.

Nicht nur der Prinzgemahl ist ob der Veränderungen in seinem Leben not amused..

Dies ist eine „das Eine führt zum Anderen Geschichte“- sie ist grandios erzählt, nimmt Fahrt auf und wieder weg. Sie ist ist liebe- und humorvoll und hat mich an eigene lustige Lesemarotten erinnert. Wirklich großartig!

Wir erfahren, wie eine Neuleserin alles liest, was ihr vor die Nase kommt. Wie sie Vorlieben ent- und Andere, in typischem Leseratten – Glauben, dass wenn sie liest, auch alle anderen lesen werden, in Büchergespräche verwickelt.

Natürlich kann eine Königin auf ihrem Weg in die Welt der Bücher Manchen mitnehmen, aber nicht JEDEN. Sie eckt mit ihrem „plötzlichen“ Bücherwurm – Gehabe an, der Eine oder Andere will sie bremsen – aber die neu entdeckte Liebe des Lesens kann einer Leserin – zumal Königin von England – nicht wieder ausgetrieben werden.

Alan Bennett bietet in einem kleinen Büchlein, für das er eine der berühmtesten Persönlichkeiten dieses und des letzten Jahrhunderts als seine Protagonistin erwählt hat, einen phantastischen Hintergrund für eine amüsante, feinsinnige und lehrreiche Geschichte über das Lesen, die Literatur und die Auswirkungen, die Lesende erleben können, wenn sie ihre Lektüre im Innersten trifft.

Dieses Buch muss gelesen werden.

Also mit einem Wort:

Hach!

Alan Bennet

Die souveräne Leserin

Wagenbach Verlag

ISBN: 978-3-8031-1254-5

 

Teile diesen Beitrag.
Über Klaus Daniel 163 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

2 Kommentare zu Alan Bennett: Die souveräne Leserin

  1. Das Buch habe ich vor Jahren gelesen und geliebt. … und ein Plädoyer für Leseförderung an der Basis durch Bücherbusse – sagt die Bibliothekarin 😉

Kommentare sind deaktiviert.