24. August 2019

David Whitehouse: Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Eine verrückte Irrfahrt

mit einem gestohlenen Bücherbus quer durch England

Der Titel ist irreführend. Verrückt klingt nett. In Verbindung mit dem sehr schönen Cover hat mich der Klappentext in die Irre geführt. Dieses Buch ist nicht nett und auch nicht lustig oder heiter.

Bobby, einer der Helden dieses Romans, hat es schwer. Er ist 12 Jahre alt, wartet auf seine Mutter, die ihn und seinen unsympathischen und oft brutalen Vater verlassen hat. Sein einziger Freund, Sunny, lässt sich verletzen, um durch Implantate zum Cyborg zu werden, der Bobby immer vor den älteren Jungs beschützen kann.
Bobby lernt Rosa, ein besonderes Mädchen und deren Mutter Val kennen, die ihm mit Wärme und Freundschaft begegnen.

Durch Val lernt Bobby die Freude am Lesen kennen. Durch sie wird Bobby eine neue Welt eröffnet, die ihm sogar hilft mit dem Weggehen der Mutter besser zurecht zu kommen. Als Sunny nicht mehr zur Schule kommt, sind Val und Rosa mitsamt ihrem Hund Bert,

„… dem schon vor langer Zeit klar geworden war, dass sein Überleben nicht von seiner Kooperation abhing …,“

Bobbys Rettungsanker, die allerdings selbst gar nicht so stabil im Leben stehen, schon gar nicht, nachdem klar wird, dass Val ihren Job verlieren wird. Um ihren ausweglosen Situationen zu entfliehen, stehlen sie den Bücherbus, in dem Val als Putzfrau arbeitet, und fahren zum Meer. Unterwegs erleben Sie abenteuerliche Situationen und treffen auf den geflohenen Ex – Soldaten Joe, der mit seinem Papagei die zusammengewürfelte Familie komplettiert. Auch Joe hat schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Auch er wird durch die kleine Patchworkfamilie ein bisschen gesunder werden.

Am Ende der Reise werde alle Beteiligten neue Erkenntnisse gemacht haben.

Mich hat dieses Buch zunächst verblüfft, betrübt, deprimiert, belustigt und später in Spannung versetzt. Ich hatte eine heitere Geschichte erwartet –  die Ausgangslagen aller Beteiligten sind allerdings eher tragisch.

Mit der Geschichte werden starke Gefühle transportiert, die mich erreicht haben. Dabei spielt durchaus die Überraschung eine Rolle, die Whitehouse mit seinen Sackgassen erzeugt, in die er mich als Leser immer wieder geführt hat und deren Ausgang ich erst Seiten später gefunden habe.

Sprachlich schreibt Whitehouse auf hohem Niveau. Er flappst nicht, er drischt keine Phrasen, er schreibt schöne Sätze und Bilder.

 

Ich habe nicht das bekommen, was ich erwartet habe, aber ein gutes Buch. Ist das nicht großartig?

 

David Whitehouse: Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Tropen / Klett – Cotta

ISBN: 978 – 3 – 608 – 50148 – 3

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Über Klaus Daniel 174 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.