23. September 2018

Harry Hole: Du sag mal Björn


Ich erwähnte es schon. Es gibt Neuigkeiten im Blog: Das Thema Hörbücher. Und: Björn!

So neu ist Björn nicht. Er hat schon als Gastautor bei Bücher-Kater-Tee mitgewirkt und ist jetzt fest dabei. Björn wird sich an anderer Stelle vorstellen. Im Gespräch sind Björn und ich des Öfteren – aus guten Gründen reden wir häufig über Hörbücher. Einen Gedankenaustausch zwischen uns präsentieren wir nun hier im Blog.

Beim gemeinsamen Buchkauf bei Herrn Bachmann, in Schwerte, wir erwähnten ihn schon mal hier, kaufte Björn Krimis, überwiegend skandinavischer Herkunft. Was Wunder, dass einer meiner aktuellen Mitfahrer im Autoradio Harry Hole heißt.

Harry Hole, gesprochen Harry Hule, ist norwegischer Polizist, der seinen ersten Fall „Der Fledermausmann“ in Australien löst. Harry Hole wird nach Sydney geschickt, um den Tod einer Norwegerin aufzuklären, die in Australien einen neuen beruflichen Anfang zu starten versucht hatte. Harry Hole hat schwere Zeiten hinter sich. Den Aufenthalt in Australien erleichtert es nicht, dass Hole trockener Alkoholiker ist. Ein Rückfall macht es eher schwerer. Gemeinsam mit dem australischen Kollegen Andrew findet Hole einiges heraus, das weit über den Fall der ermordeten Norwegerin hinausgeht.

Der Kriminalfall spitzt sich für Harry Hole und seine Kollegen dramatisch zu. Bis zum Ende schickt Jo Nesbø Lesende auf falsche Fährten und lässt sie immer mal kopfschüttelnd staunen.

Den zweiten Fall haben wir inzwischen ebenfalls gehört. Diesmal ist Harry Hole in Thailand.

Sag mal Björn,

Harry in Thailand fandest du jetzt nicht so toll, oder?

Mein lieber Klaus, das kann man so erst mal gar nicht sagen. Zu Beginn des (Hör-)Buches fröhnt der gute Harry seinem in Australien wiedergewonnenen Laster. Schnell wird dem/r Hörer*in / Leser*in dann klar, dass er aufgrund dieses Lasters auch in diesem Fall nicht in Norwegen ermitteln wird. Das fand ich grundsätzlich im ersten Moment schade, denn wenn ich ehrlich bin, hatte ich mich auf einen in Norwegen spielenden Krimi gefreut.

Doch diese erste kurze Phase des „Nichtsotollfindens“ erledigte sich schnell, denn die Reise nach Thailand ist gut durchdacht und entwickelt sich zu einem spannenden Kriminalfall. Man erfährt mehr von Harry Hole selbst, von seinen familiären Hintergründen und der Beziehung zu seiner Schwester, die besonders ist (nicht nur die Beziehung, sondern auch seine Schwester Soes). Ein dunkles Geheimnis umgibt Harry und seine Schwester und ohne es (Stand heute) zu wissen, gehe ich davon aus, dass sich auch daraus noch ein Fall entwickeln wird.

Thailand selbst ist einfach zu laut, zu warm und zu luftfeucht (ich fühle mit dir Harry), aber auch edel und höflich. In Liz findet Harry Hole eine ungewöhnliche Partnerin. Die Leiterin der hiesigen Mordkommission ist eine sehr direkte Powerfrau, ohne Haare dafür mit umso mehr Weitblick und Umsichtigkeit. Für die beiden gilt es den Mord an einem  norwegischen Diplomaten aufzuklären, allerdings sind im Hintergrund weder der thailändische Polizeichef noch das norwegische Konsulat an einer tatsächlichen und tiefgehenden Lösung des Kriminalfalls interessiert. Es wirkt alles undurchsichtig und dabei ist es auch nicht hilfreich, dass Harry Hole tatsächlich ein sehr guter Polizist ist. Erst recht, wenn er sein Laster kontrolliert…

Mit seinem Kommissar Harry Hole hat Joe Nesbo etwas Besonderes geschafft. Ein Ermittler, der nicht auf eine Stadt oder eine spezifische Umgebung „beschränkt“ ist, sondern weltweit im Einsatz ist. Ich jedenfalls bin schon gespannt wohin es Harry Hole noch verschlägt.

In dieser Kategorie geht es jedoch nicht „nur“ um die Inhalte, sondern auch darum, wie das Ganze an den / die Hörer*in gebracht wird. Die Fälle um Harry Hole werden von Uwe Teschner gelesen. Wie findest du ihn Klaus?

Stimmt, Björn, beim Hörbuch geht’s es nicht nur um den Inhalt. Wenngleich die Geschichte um Harry Hole toll komponiert ist, der Inhalt mich also sehr besticht, ist Uwe Teschner ein Garant für den Hörgenuss. Er liest Harry Hole wirklich grandios. Die Stimmlagen und Akzente der thailändischen und chinesischen Protagonisten spricht Teschner in einer Weise, dass es exotisch aber nie karikierend wirkt. Ich erlebe das als hohe Kunst. Oft fällt ja gerade im Vergleich mit Anderen auf, dass es eine besondere Stärke ist, dass zum Beispiel bei Teschner nicht auffällt, wo er eine Lesepause hatte. Er kann seinen Figuren über die gesamte Laufzeit des Buches eine gleichbleibende Stimmlage mit den dazugehörigen Gefühlsschwankungen verleihen.

Obwohl Harry Hole sein Abenteuer in Thailand (Das Buch heißt übrigens Kakerlaken) erlebt, habe ich den Eindruck, dass es doch sehr skandinavisch wirkt. Was meinst du Björn?

Das kann man so und so sehen, lieber Klaus (muss ich jetzt Geld in ein Phrasenschwein werfen?). Ich habe den Eindruck, dass „skandinavisch“ in der Krimiliteratur bedeutet, dass die Täter ziemlich erbarmungslos aber auch phantasievoll sind (man bedenke Jussi Adler Olsen oder Hakhan Östlundh), das trifft auch hier ohne Zweifel zu. Ansonsten verleiten mich die ständig wechselnden Spielorte zu der Aussage, dass es hier keineswegs „typisch“ skandinavisch zugeht. Versteht man skandinavisch jedoch als Qualitätsmerkmal (und zwar als ein „Gutes“), dann muss ich dir doch zustimmen. Harry Hole hat einfach was.

Wenn es dann noch in der von dir beschriebenen hochwertigen Art und Weise als Hörbuch vorgetragen wird, dann kann man nur zum Hören empfehlen.

 

PS.: Ich glaube übrigens, dass es vor allem britische Kriminalgeschichten waren, nach denen ich bei Bücher Bachmann gestöbert habe…

 

 

 

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Über Klaus Daniel 165 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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