22. Oktober 2018

Lesen und lesen lassen – als das Hörbuch Einzug hielt

Tja, geplant war, dass ich täglich mit der Bahn von Hamm nach Bielefeld fahre, aber da die Bahn nicht immer pünktlich ist, die Anschlüsse dann schwierig werden und ich schon Erfahrungen mit der Bahn auf der gleichen Strecke von Hamm nach Dortmund gemacht hatte, entschied ich mich für das Auto.

Mit Trauer. Ich hatte mich nämlich schon darauf gefreut:

Täglich eineinhalb Stunden im Zug und einige Wartezeiten – das wären etwa 10 Stunden pro Woche, die ich zum Lesen hätte verwenden können. Aber die Entscheidung stand: Ich fahre nun täglich zwei Stunden mit dem Auto zur Arbeit und zurück und lese kein Buch.

Das Jahr des Hörbuchs

Nach Empfehlung und freundlicher Leihgabe hörte ich mein erstes Hörbuch im Auto. Leider gefiel es mir nicht. Buch mit Musikuntermalung? Geht gar nicht. Dennoch: Die Idee, mir vorlesen zu lassen, gefiel mir. Also blätterte ich im Leihfundus und fand heraus, dass mir verschiedene Kriterien wichtig sind. Und dass ich Lesegewohnheiten mit Papierbüchern nicht auf Hörbücher übertragen kann.

Kriterien:

Stimme

Die Stimme muss mir gefallen. Von jemandem, dessen/deren Stimme mir nicht gefällt, lasse ich mir nicht vorlesen.

Sprache

ist wichtig: Wenn ich ein Buch lese, verwende ich in meinem Kopf keine Dialekte, auch wenn der Titelheld „mit angenehmer hanseatischer Zurückhaltung“ und „Holsteinischem Zungenschlag“ redet. Wenn dann der/die Vorlesende so einen Dialekt verwendet (und das möglicherweise weit weg von authentisch klingend), dann ist dies meinem Hörspaß abträglich.

Ich lese Bücher in deutscher Sprache, weil ich die gut verstehen kann. Manchmal gibt es Zitate in der Ursprungssprache – oder Eigennamen. Das gehört natürlich dazu. Ich kann es dann nicht gut haben, wenn Namen verhunzt werden: Siobhan gesprochen wie geschrieben – ist für mich eigentlich ein Ausschlussgrund.

In letzter Zeit gibt es viele Regionalkrimis. Da kommt es auf die Aussprache an, mit der verschiedene Vorlesende Schwierigkeiten haben. Oft fällt es auf, wenn der/die Vorlesende die fremde Sprache nicht aussprechen kann (kann ich auch nicht), aber wenn der Name des Helden oft gelesen, aber immer wie mit Zahnschmerzen ausgesprochen wird, dann höre ich nicht weiter. Unterschiedlichen Protagonisten werden von den Lesenden unterschiedliche Stimmen geliehen. Häufig passt das, ganz oft mag ich es nicht, weil die Stimme nicht dazu passt, wie ich mir die Person vorstelle,oder, oder.

Das klingt alles sehr mäkelig, ich habe tatsächlich große Probleme, Hörbücher zu kaufen. Es ist ja nicht nur so, dass alles gut und passend klingen muss. Ich will keine eingebauten Jingles, mag keine dialogisch von zwei Personen vorgetragenen Bücher hören, und manche Genres fallen für mich raus:  gerne lese ich Urban Fantasy, die Verzeichnisse im Netz sind unübersichtlich; Serien, die ich mit Papierbüchern begonnen habe, setze ich nicht mit Hörbüchern fort.

Im Auto brauche ich Konzentration für das Fahren. Wissenschaftliche oder fachliche Lektüre höre ich deswegen nicht. Ich höre Krimis – gerne aus Skandinavien, wenngleich dort häufig Serienmorde und gequälte Opfer beschrieben werden. Das kann ich nicht gut haben. Mir wird schon deutlich, warum ich Probleme habe, passende Hörbücher zu finden. 😉

Inhalt

Und – ja, der Inhalt ist so wichtig, dass ich gerne wissen möchte wie es weitergeht. Also höre ich manchmal über eine quäkige Stimme weg, gewöhne mich an schlecht gesprochene Slangs – wenn die Autorin oder der Autor  mich mit der Geschichte gefangen haben. Allerdings habe ich auch schon das Hörbuch abgeschaltet und im nächsten Buchladen das Buch in Papierform gekauft.

Lesegewohnheiten

Ich höre anders als ich lese. Ich lese gerne, wo es ruhig ist. Wenn ich weiß, dass ich Wartezeiten in unruhigem Umfeld verbringen werde, nehme ich leichte Lektüre mit und komme damit zurecht. Hörbücher verwende ich nur im Auto. Auf dem Sofa sitzen und mir vorlesen lassen geht nicht. Da könnte ich ja selbst lesen. Wenn ich die Situation im Buch nicht gut aushalten kann, überblättere ich gelegentlich. Beim Hörbuch wird es schon mal schwierig zu überblättern: Hörbücher sind nicht nach Szenen oder Kapiteln aufgeteilt.

Das vergangene Jahr ist für mich durch die Entdeckung der Hörbücher ein Gewinn:

Ich habe viel mehr als nur 10 Stunden Wochenlesezeit gewonnen, da ich beruflich häufig das Auto nutze und privat auch gelegentlich unterwegs bin.

Meine Wahrnehmung von Literatur hat sich mit dem Herausfinden von Hörkriterien weiter verändert. Ich wähle sorgfältig die Literatur fürs Auto. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beim Autofahren ist gesunken. Ich fahre aufmerksamer. Und ich habe ein weiteres Pfund: Mein Freund Björn hört ebenfalls Hörbücher. Wir haben einige Gemeinsamkeiten. Deswegen stimmen wir manche Käufe miteinander ab. Wir tauschen uns aus und die Hörbücher miteinander, ich lasse mich inspirieren und wir erleben das Prinzip: Vier Augen sehen mehr.

P.S.:

In nächster Zeit wird es auf BücherKaterTee wieder lebhafter: Mein erstes Jahr mit einer neuen Arbeitsstelle hat viel Aufmerksamkeit benötigt, die Rubrik Hörbuch wird aufgebaut und die Änderungen, die im Zuge der Datenschutzverordnung vorgenommen werden mussten, sind nach meinem Laienwissen nun abgeschlossen.

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Alles Weitere – wird in Kürze hier bekannt gegeben!

 

 

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Über Klaus Daniel 165 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

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