16. Juli 2018

David Gilman: Legenden des Krieges – Bände III und IV

Der Rororo – Verlag hatte die Bücher wohl schon fertig in der Schublade liegen oder da, wo sonst druckfertige Bücher in Verlagen gelagert werden. Ich stelle mir vor, dass die Fortsetzungen der Geschichten um Thomas Blackthorne deswegen so „Schlag auf Schlag“ auf den Ladentisch gebracht werden.

Vielleicht zu Beginn: Für Fortsetzungsromane finde ich die einzelnen Bücher von David Gilman sehr prall gefüllt. Gilman malt sehr dichte Bilder, lässt seine Figuren ungeheuer weit reisen, viel erleben und schreibt seinem Helden Thomas Blackthorne ebenso extrem bösartige und hinterlistige wie unversöhnliche Feinde in die Geschichte. Über die Bösewichte und die „Anderen“ der ersten beiden Bände hatte ich hier (Die Legenden des Krieges) und hier (Der ehrlose König) schon geschrieben.

Gilman ist sehr akribisch. In einem für jeden Band eingetragenen Nachwort beschreibt Gilman, welcher historischen Quelle er Personen und belegte! Ereignisse entnommen und in welcher Art er diese Ereignisse für die jeweils vorliegende Geschichte adaptiert hat. Gilman nennt Quellen seines historischen Grundlagenwissens und ist sehr gewissenhaft in der Verwendung desselben.

Da dies alles ebenso – wie die Handlung selbst – in die Bücher einfließt, sind die Geschichten eben – sehr voll.

In Band drei: Der einsame Reiter, kommt es zu mehreren Showdowns – sowohl auf dem Schlachtfeld, wie auch in der Familie. Thomas Blackthorne muss viele Veränderungen und Verluste hinnehmen. Aufgrund seines Stolzes und seiner Sturheit gelingen ihm verschiedene Handlungen nicht gut. David Gilman leistet sich hier über den „prallen Inhalt“ des Buches einige Längen, die mir zum Abend (ich bin Bettleser) doch manchmal Schwierigkeiten bereiteten.

Prima ist, dass Blackthorne in die Toskana kommt. Da ich die Toskana sehr mag, ist es wunderbar per historischem Roman zuzulernen. Für Blackthorne ist der Anlass seiner Toskanareise nicht besonderes willkommen. Er wird nämlich wegen Fehlverhaltens dorthin verbannt. Da ich aber schon wusste, dass ein Band vier bevorsteht, machte ich mir keine Sorgen um Blackthorne.

Klingt alles nicht besonders? Tut mir leid. Für mich war zu viel Familie und zu wenig Legende des Krieges im Buch. Deshalb machte ich mir schon Gedanken, ob ich Band IV überhaupt zu mir nehmen sollte. Aber – am Ende wird es doch spannend, es bleiben einige offene Fragen und ich wollte ja doch wissen, wie es weitergeht.

In „Der große Sturm“  geht es für Thomas Blackthorne wieder zurück nach Frankreich. Der König ruft und Blackthorne reitet. Blackthorne wird schlimme Erlebnisse erleiden und sich zwischen den Mächtigen fast aufreiben. Im Mittelpunkt des großen Sturms steht die Belagerung von Paris. Gilman hat sich mit der Geschichte des „Hundertjährigen Krieges“ sehr vertraut gemacht. Im großen Sturm sind die historischen Details sehr unterstützend in die Geschichte eingebaut.

Historisch betrachtet ist schon interessant, dass die meisten eminenten Kriegszüge der jüngeren Geschichte an der Frage der Versorgung gescheitert sind. So wird auch Paris nicht gestürmt, weil die englischen Truppen und ihre Verbündeten von Wetter und Hunger gebeutelt werden.

Blacktorne wird als die Allroundwaffe seines Königs wieder mit speziellen Aufträgen versorgt, die den finsteren Feinden von Blackthorne in die Karten spielen. Nächste Ziel also: Mailand. Da Blackthorne einige schlimme Erlebnisse hatte, kommt ihm das neue Ziel sehr zurecht um rache nehmen zu können.

Gilman hat mich mit seiner Art Geschichte(n) zu erzählen mit dem „großen Sturm“ wieder eingefangen.

Spannend geschrieben, bunt erzählt, malt Gilman komplexe Bilder einer faszinierenden wilden Zeit. Die Geschichten zu lesen, heißt eine brutale Welt aushalten zu müssen. Mir hat Gilman große Lust auf das Nachlesen gemacht. Nicht nur Wikipedia – auch Geschichtsbücher mussten inzwischen herhalten.

David Gilman

Rororo Verlag

Legenden des Krieges

Der einsame Reiter

ISBN:  978-3-499-29099-2

Der große Sturm

ISBN:  978-3-499-29100-5

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Über Klaus Daniel 161 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.