28. November 2020

Thomas Nickelsen: Die Spur des kleinen Prinzen

NYC

Mit dem kleinen Prinzen in die Kindheit…

Julius Wortschmidt ist erfolgreich in seinem Beruf. Schon lange lebt der Mediziner mit seiner Familie in den USA, wo er für ein weltweit agierendes Medizin – Technisches Unternahmen tätig ist.

Sein Leben ist durchgetaktet. Privat, wie beruflich. In der Firma verlaufen die Prozesse nach klar festgelegten Standards.

Dass sein Leben auch einen anderen Verlauf hätte nehmen können, fällt Wortschmidt auf, als er sich an seine Kindheit erinnert fühlt, nachdem er einen Bewerber betreut, der aus seiner Heimatstadt in Deutschland kommt.

Wortschmidt fällt wieder ein, dass der kleine Prinz von Saint-Exupéry das wichtige Buch seiner Kindheit war. Wortschmidt nutzt eine Dienstreise nach Deutschland dazu, zu seiner Heimatstadt zu fahren.

„Wenn ich dreiundfünzig Minuten übrig hätte,“ sagte der kleine Prinz, „würde ich ganz gemütlich zu einem Brunnen laufen.“

Eine Spurensuche an den Stätten siner Kindheit beginnt. Wortschmidt erinnert sich an seine Zeit als kleiner Junge.

Julius ist ein guter Schüler. Er lebt mit seinen Großeltern in einem ehemaligen Kloster. Die Nachbarskinder, Jungen und Mädchen, sind seine Spielkameraden. Die Erwachsenen in dem großen Mietshaus sind eine Hausgemeinschaft, die miteinander feiert und sich um die Kinder kümmert. Julius´ Eltern arbeiten in Frankfurt. Sie arbeiten und sparen, um Julius später zu sich holen zu können.

Als Wortschmidt sich in seiner alten Heimat umsieht, erinnert er sich und vergleicht die Gegenwart mit der Vergangenheit – und er kommt nicht umhin, seinen Lebensweg auf dem Hintergrund seiner Erinnerungen zu reflektieren. Und zu seinen Erinnerungen gehören die Weisheiten des kleinen Prinzen. Julius Wortschmidt erinnert sich an seine Freunde aus Kindertagen. Was ist wohl aus seiner großen Liebe geworden? Wo sind seine Freunde abgeblieben, die, einer nach dem Anderen, die Hausgemeinschaft mit seiner Familie verlassen haben?

Thomas Nickelsen hat eine Geschichte vorgelegt, die anrührt. Möglicherweise deswegen, weil sie mich in eine Stimmung versetzt, die bei mir ebenfalls eine Reflexion des eigenen Werdeganges herausfordert. Nickelsen beschreibt feine Beobachtungen, er reflektiert seine Erlebnisse und Emotionen vor dem Hintergrund seiner Lebenserfahrungen und verwendet als Mittler zwischen diesen Gefühlswelten den kleinen Prinzen.

Interessant ist der Wechsel von der trockenen Sprache des Erwachsenenlebens hin zur Erzählung der Kindheitserlebnisse, deren trockene heiße Sommer nachzuspüren sind. Wortschmidt wirkt nicht sentimental, aber er ist auf der Suche nach einer Vergessen geglaubten Kindheit und den mit ihr verknüpften Gefühlen

Julius Wortschmidt nimmt aus seiner Reise in die Vergangenheit mehr mit in seine Zukunft, als er erhofft hat.

Wie schön!

Thomas Nickelsen
Die Spur des kleinen Prinzen

Karl – Rauch – Verlag

Hoffmann & Campe

ISBN-13: 978-3-7920-0254-4

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Über Klaus Daniel 178 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.