17. Oktober 2019

Die Zeit der Gaukler ist vorbei… Buchmesse Leipzig 2019

286.000 Besucher*innen / 2.547 Aussteller*innen / aus 46 Ländern

 

Team BKT

Die Buchmesse ist vorbei. Ob sie ein Erfolg war, wird jeder für sich entscheiden. Für BücherKaterTee wohnte ihr ein neuer Zauber inne, waren wir doch diesmal mit dem gesamten gewachsenen Team angereist.

Wir hatten den Eindruck, dass die Messe am Anfang nicht so überlaufen war, was wir sehr genossen, denn so hatten wir freie Blicke auf die Bücher.

Einige Felder waren klar abgesteckt: Björn und Klaus sahen sich als aktive Hörbuchfreunde bei den Hörbüchern um. Steffi und Andrea sind die Sachbuchfraktion. Deshalb trennten wir uns für einige Zeit und inspizierten jeweils zu zweit die Stände mit den Kulturgütern unserer Begierden. Das Hörbuchforum war enttäuschend wegen mangelnder Vielfalt der Anbieter und, noch schlimmer, der Hörbücher. Da zeigte sich Mainstream und selten Besonderes.

Die Kolleginnen hatten mehr Glück, was sich allerdings auch in der Buchgeldkasse ausmachte. 😉 Andrea hat sich besonders an Bücher über das Reisen herangewagt und dabei einen interessanten Trend wahrgenommen: Reisebücher mit nicht nötigenfalls guten Texten und nicht qualitativ herausfordernden Bildern  bekamen eine reißerische Aufmachung, die eher aus der Jammer- und Befindlichkeitsecke heraus geschrieben waren. Das klang dann so: „Warum ich dreitausend Meter über dem Meeresspiegel keine Milch für meinen Kaffee bekam und warum das ganz schlimm war…“

Achtung: Linkgewitter 😉

Aber ich habe ja geschrieben, sie hatten mehr Glück – und das fanden sie z.B. am Stand des Knesebeck Verlages. Herausragend schön gemachte Bücher, Qualitativ hervorragende Bilder, tolle Texte. Das sollten andere mal nachmachen. Andrea sagte, sie habe in letzter Zeit für weniger Bücher mehr Geld ausgegeben, das liegt unter anderem daran, dass sie gerade bei Sachbüchern besonders auf Qualität achtet.

Ein weiterer neu entdeckter Verlag mit wunderbar bebilderten Reise- und anderen Sachbüchern ist der Terra Mater Verlag aus Österreich. Wir entdeckten ihn am Stand der Österreichischen Verlage, an den es uns bei unserem Treffen mit Birgit vom wunderbaren Blog Sätze&Schätze getrieben hatte. Birgit, es hat großen Spaß gemacht, wir freuen uns schon auf das nächste Mal.

Sehr aufregend war die Insel der internationalen Verlage:

Österreich: Septime, der Verlag mit Ryu Murakami im Programm, Müry Salzmann, ein Verlag mit interessanter Gestaltung (mein Tipp: Malte Borsdorf – Flutgebiete), der Otto – Müller – Verlag, bei dem ich „Die verschobene Stadt“ von Christian Zehnder sehr interessant fand. Georgien stellte sehr eigenwillige Literatur vor, die eben mit dieser Eigenwilligkeit besonders charakteristisch nicht alleine für Kunst in Georgien, sondern für Georgien selbst sei. Andrea will es bald herausfinden. Eine Georgienreise wird u.a. mittels Literatur vorbereitet. Ich bin sehr gespannt, wie die Reise auf Andrea wirken wird. Wir trafen nämlich, auch unter Vermittlung von Birgit, den Verleger Stefan Monhardt, der in seiner Edition Monhardt  schöne Bücher – Schätze herausgibt. Stefan Monhardt zeigte seine Eigenwilligkeit in einem freundlich zugewandten Gespräch und bei der Suche nach der Ausgabennummer von Reso Tscheischwili`s „Die Himmelblauen Berge“, die bei Andrea das größte Wohlbehagen hervorrufen sollte.

Kampa Krimis

In der Schweiz gibt`s beim Kampa – Verlag nicht nur seit einiger Zeit das Alleinvertretungsrecht für Maigret, sondern auch fein gestaltete Regional – Krimis, mit Spielorten in Kanada, Maine, am Comer See und im Engadin. Insbesondere die Kanada Krimis von Louise Penny sollen in Österreich gut gehen, schrieb mir Alexandra, Buchhändlerin aus Wien, als ich mich per Tweet über meine Entdeckungen freute. Es gäbe natürlich noch viel über das Internationale zu erzählen: Beim Gastland Tschechien gab es für  Leserinnen, die Tschechisch lesen konnten, viel zu entdecken, beim Armenischen und auch dem Ungarischen Stand gab es viel Lyrik. Der Lichtensteiner Stand hatte leider ausschließlich Ansichtsexemplare dabei. Deswegen konnte ich dieses Buch nicht für Björn und Steffi mitbringen…

 

Im Gefängnis, Klett
Die Kackwurst – fabrik, Klett

Wir haben uns heuer wenig bei den Konzernverlagen herumgetrieben, wenn sie denn nicht bei den internationalen Verlagen vertreten waren. Meine Ausnahme: Der Klett Verlag. Es gab bei Klett aufregende Bilderbücher. Eines werde ich aus beruflichen Gründen näher prüfen: Im Gefängnis, Kinderbuch über das Leben hinter Gittern, könnte helfen, mit Kindern inhaftierter Eltern ins Gespräch zu kommen. (Ich arbeite in der Straffälligenhilfe bei der Diakonie). Das Zweite ist super witzig aufgemacht. Es werden schöne neue Wörter kreiert wie z. B. die Kackplosion. Es ist einfach zum Niederknien. Es heißt „Die Kackwurstfabrik“  und stammt aus dem Sommer des letzten Jahres.

 

Besonders wichtig war uns die persönliche Begegnung. Und die fand bei den unabhängigen und kleineren Verlagen statt. Leider haben wir den Leseabend „Die Lesung der Unabhängigen Verlage“ ebenso nicht besuchen können, wie den „Indie – Abend“ im Beyerhaus, wo sich die Gelegenheit zum Fachsimpeln, Plaudern und sich begegnen gegeben hatte.

Stattdessen trafen wir uns im Zwischendrin mit Autoren und Verlegern und lernten wieder einiges über das Buch – und Verlagswesen.

Mit großer Freude konnte ich endlich duotincta – Autorin Stefanie Schleemilch persönlich treffen, die mich  mit ihrem neuen Buch „Morgengrauen“ erneut begeistert und auch sehr betroffen gemacht hat. Sie gab interessante Einsichten in Interviewerlebnisse, die ich hier weglasse; vielleicht lese ich mal in einem Essay von Stefanie darüber ;-), Und überhaupt „duotincta“ – es war großartig, diese freundlichen  zugewandten Menschen wieder zu sehen. Uns wurde Moritz Hildt vorgestellt, dessen frisch gedruckter Roman „Nach der Parade“ in New Orleans handelt. Möglicherweise hat Moritz mit seinen Erzählungen über seine New Orleans Erlebnisse unseren, für die nächsten siebzehn Jahre festgelegten Reiseplan, verändert. Das Erzählen über den Neuaufbau nach „Katrina“, das Essen (Gumbo – mmmh) und selbstverständlich über den Mardi Gras, machte Lust aufs Reisen und natürlich Moritz´ Buch.

Den Indie – Abend im Beyerhaus gestaltete duotincta dieses Mal nicht mit dem Homunculus Verlag, sondern mit dem kleinen, relativ frisch geschlüpften VHV – Verlag aus Berlin. Der VHV – Verlag veröffentlicht aktuell überwiegend Kurzgeschichten – Antologien, um das Genre Kurzgeschichten voranzubringen, Hauptautorin ist zur Zeit Victoria Hohmann.

Der VHV – Verlag hat durch eine Crowdfunding Aktion die Anthologie „Zerschlagen“ auflegen können, an der viele junge zum Teil schon arrivierte Auto*innen teilgenommen haben. Ich habe mir Victorias „Von Verwandlungen – Erzählungen“ gekauft und bin sehr gespannt auf den Inhalt.

Von Crowdfunding kennen die Macher*innen des Homunculus Verlages einiges. Die Herstellung der überragenden Biografie Mordechai Gebirtigs von Uwe von Seltmann wurde durch Crowdfundig möglich gemacht. Da wir sehr überzeugt waren, dass ein solches Werk in der heutigen Zeit nötig und wichtig ist, beteiligten wir uns an der Aktion und sind sehr glücklich, dass das Buch in der Welt ist. Es heißt übrigens nach einem des am häufigsten gesungenen Gebirtig – Liedes: „Es Brennt“. Hier gibt es das Lied in einer Fassung von Liederjan und hier in einer Fassung auf jiddisch.

Björn freut sich schon sehr auf den wieder erscheinenden Krimi – Adventskalender des Homunculus – Verlags. Ich warte noch auf weitere Projekte, denn ich habe den Eindruck, dass uns noch einige Überraschungen aus dem Hause Homunculus bevorstehen.

Eine große Freude ist es mir, wenn ich ein Buch finde, das jemand anderes gefallen könnte und es gefällt dann auch. So geschehen am Stand des Verlages Schöffling und Co.. Andrea mag Familienchroniken, die in besonderer Weise geschrieben sind. Als mir „Effingers“ von Gabriele Tergit in die Hände fiel, dachte ich an Andrea, gab es ihr und … sie wird es bald lesen. Die freundliche Dame am Messestand erzählte, dass Gebriele Tergit bei Schöffling und Co. neu entdeckt wurde und ihr Werk nach und nach von Schöffling veröffentlicht werden wird. Wir sind gespannt.

Die Buchmesse war für uns recht entspannt, sicher auch, weil wir am Samstag, dem, wie wir später hörten, bestbesuchten Tag, eine Messepause einlegten. Das Team teilte sich auf, besuchte den Leipziger Zoo, das Museum für Vorgeschichte und das wunderbare Antiquariat Rotschildt in Halle. Das sind aber andere Geschichten, die an anderer Stelle erzählt werden.

 

 

 

 

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Über Klaus Daniel 175 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.

5 Kommentare zu Die Zeit der Gaukler ist vorbei… Buchmesse Leipzig 2019

  1. Lieber Klaus,
    das war wirkliche ergiebige und inhaltsreiche Messe für euch – wo ihr überall wart! Und herzlichen Dank für die nette Erwähnung – aber ganz unabhängig davon: Es war so schön, euch zu treffen und das schreit nach einer Wiederholung!
    Übrigens bin ich schon mitten in den Effingers – ich hatte von Gabriele Tergit bereits den „Käsebier“ gelesen und war daher sehr neugierig auf das Buch, auch weil es im Literarischen Quartett durchaus kontrovers diskutiert wurde. Was soll ich sagen: Ich bin schon im ersten Drittel und kann kaum aufhören! Allerliebste Grüße von Birgit

    • Liebe Birgit, es war aber auch wirklich großartig mit dir. Ich habe Andrea schon vorgelesen, dass du dich schon über die Effingers geäußert hast. Sie wird es als nächstes beginnen, sagte sie. Ich freue mich schon auf die Wiederholung.
      Liebe Grüße, Klaus

    • Liebe Birgit,

      auch meinerseits: das Treffen mit Dir war echt total schön! Würde mich über Wiederholung(en) freuen.
      Auf die „Effingers“ freue ich mich, oft gefällt mir, was Dir gefällt. Und lange, gut geschriebene Familienromane sind einfach klasse.

      Bis bald mal, lass es Dir gut gehen!
      Andrea

    • Bitte gerne. Viele kleine Verlage bieten so interessante, vielleicht auch weil handverlesene Bücher, dass es schade wäre, sie zu verpassen. Es ist immer wieder eine Entdeckungsreise, wenn ich bei den unabhängigen Verlagen herumstöbere.

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