26. Oktober 2020

JONATHAN EVISON: Umweg nach Hause

Im eigenen Leben verirrt

Ben ist arbeitslos und hat Geldsorgen. Deswegen lässt er sich in einem Schnellkurs als Pflegehilfskraft ausbilden. Er wird Trevor zugeteilt. Dieser ist erst 18 Jahre alt und an Muskeldystrophie erkrankt.
Trevor verbringt den Tag im Rollstuhl und mit starren Routinen. Ben fällt es zunächst schwer, sich auf Trevor einzulassen, so wie es ihm ohnehin schwer fällt sein Leben zu führen. Denn Ben musste mit ansehen, wie seine beiden Kinder starben – durch seine Nachlässigkeit.

Trevor hadert ebenfalls mit seinem Leben. Durch seine Behinderung ist er auf ständige Hilfe angewiesen. Als trevor klein war, ist sein Vater Bob vor seiner Verantwortung geflüchtet und hat Trevor und seine Mutter alleine gelasse
n. Seine Mutter ist deswegen verbittert.

Ben steht in zwei Leben: In Rückblenden erlebt er seine Vergangenheit mit seinen Kindern, in der Gegenwart versucht er als Pflegehelfer seinen Aufgaben für Trevor gerecht zu werden. Das fällt ihm nicht leicht. Ben ist Misserfolg gewohnt.

In dem Bemühen, Trevors Leben zu verbessern und ihn mit Bob zu versöhnen, schlägt Ben vor, mit Trevor im Auto zu Bob zu reisen. Auf dem Wege werden sich die beiden die langweiligsten Attraktionen der Vereinigten Staaten ansehen. (ein doppelstöckiges Klo, das größte Loch der USA…)

Mutter Elsa erlaubt dies mit großen Bedenken und Auflagen. denn sie vertraut Ben nicht.

Die Reise wird ein besonderes Abenteuer werden: Sie treffen die junge Dorothy, die lieber Dot genannt werden möchte und auf der Flucht vor sich selbst ist, Peaches, eine junge Schwangere und deren verrückten Freund. Und sie werden verfolgt – wie sich später herausstellen wird – von jemanden, der ebenfalls (noch) nicht mit sich im Reinen ist.

Diese Reise „der Verspätungen und Verschiebungen“, wie Ben ihren Roadtrip ne9783462046595nnen wird, wird jeden Einzelnen der bunten Reisegesellschaft mehr zu sich führen.

Die skurrilen Zusammentreffen auf dieser Reise beschreibt Jonathan Evison in schillernden Farben und viel Witz. Der Roadtrip wird zu einer Pilgerreise, auf der Freundschaften geschlossen und neue Perspektiven eröffnet werden. Evison absolviert einen wunderbaren Spagat zwischen den schweren Schicksalen der Protagonisten und den Möglichkeiten, die sie sich trotz, wegen oder mit diesen Schicksalen und der Hilfe der Anderen erarbeiten.

Der „Umweg nach Hause“ ist eine Geschichte, die mit Melancholie, Trauer und Hoffnung als Licht am Horizont berührt.

Ich bedanke mich sehr herzlich für das Rezensionsexemplar beim Blanvalet Verlag.

JONATHAN EVISON

Umweg nach Hause

Blanvalet

ISBN: 978-3-7341-0266-0

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Über Klaus Daniel 178 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.