18. November 2018

Stephen King und das Rotkehlchen

Das Hörbuch ist nach wie vor ein „neues“ Medium für BKT. In unseren ersten Beiträgen ist dabei deutlich geworden, dass wir bei BKT mit Hörbüchern durchaus etwas anfangen können, haben dabei aber auch auf „Schwachpunkte“ verwiesen. Ich möchte in diesem Beitrag für genau das  – nämlich tolle Hörbücher und böse Flops – Beispiele vorbringen.

Im ersten Hörbuchblogbeitrag verwiesen wir auf Jo Nesbøs  Ermittler Harry Hole aus Norwegen, der ironischerweise nicht in Norwegen ermittelt, sondern in den ersten beiden Fällen erst in Australien und dann in Thailand aktiv wird. Tolle Fälle, spannende Protagonisten und ein guter Vorleser – kurzum alles, was man braucht, um Gefallen an Harry Hole zu finden. Nach den ersten beiden Fällen folgt  Teil drei mit dem Titel „Rotkehlchen“. Nachdem dieses Hörbuch in meiner Bibliothek und kurze Zeit später in meinen Ohren landete, folgte die böse Überraschung.

Zugegebenermaßen hatte ich beim Erwerb des Hörbuchs nicht auf die detaillierte Beschreibung geachtet – das ist ein großer Fehler, den man eigentlich nicht machen darf. Da mir die ersten beiden Teile aber gut gefallen hatten, habe ich den dritten Teil ungeprüft in den elektronischen Einkaufswagen geworfen – wer denkt denn auch an so etwas. Das Folgende ist mir dann recht schnell aufgefallen. Aus mir unbekannten und als „Fan“ auch unerklärlichen Gründen wurde das dritte Hörbuch nicht vom selben Sprecher gelesen wie die ersten beiden. Leider war das für meine Ohren gar nicht akzeptabel, da nicht nur die Stimme anders war, sondern auch sämtliche Betonungen, Aussprache von Orten und Namen sowie der Enthusiasmus des Sprechers.

Als ich dann doch noch nachforschte, traf mich der nächste Schock. Da war ich doch tatsächlich auf ein gekürztes Hörbuch reingefallen. „Gekürzt“ ist das schlimmste Prädikat, was mir einfällt. Es würde sich doch auch niemand ein Buch kaufen, bei dem Seiten „entnommen“ wurden, um es zu kürzen. Weitere Recherchen ergaben, dass es eine merkwürdige Chronologie mit der Harry Hole – Reihe gibt. Teil eins und zwei sind ungekürzte Fassungen, gelesen von Uwe Teschner. Bis Teil fünf gibt es anschließend ausschließlich gekürzte Fassungen mit zwei anderen Sprechern, die mir nicht so gut gefallen (was kein allgemein gültiges Kriterium ist). Ab dem sechsten Teil geht es dann ungekürzt mit Uwe Teschner weiter. Bis es so weit ist, hilft aber nur eins: Bücher kaufen und die Teile drei bis fünf selber lesen…

Wie es anders geht, zeigen Hörbücher von Stephen King, die ich in den letzten Jahren sehr zahlreich erstanden habe. Eher zufällig fiel mir dabei eine Kurzgeschichtensammlung in die Hände. „Nachtschicht“ heißt die Sammlung; gelesen wird sie von Jürgen Kluckert, Joachim Kerzel und Uli Krohm. Ihre Stimmen kennt man aus Film und Fernsehen. Sie als atmosphärisch zu beschreiben wäre untertrieben, aber etwas Besseres fällt mir nicht ein. Als ich mich mit weiteren Werken von King beschäftigt habe, traf ich auf weitere großartige Stimmen.

Zu meiner Freude wurde „das Pfefferkuchenmädchen“ von Anna und Katharina Thalbach gelesen. Eine Premiere für mich, das erste von einer Frauenstimme gelesene Hörbuch, welches mir gefallen hat – ich hatte mich schon gesorgt. Noch besser gefielen mir dann zwei weitere Sammlungen von Kurzgeschichten. „Basar des Bösen“ und „Kabinett des Todes“. Diese werden nämlich von David Nathan gelesen und das ist ein Hörbuchsprecher, den ich jedem wirklich ans Herz legen kann. Ich kenne wirklich keinen „Vorleser“, der es besser macht als David Nathan. Ein angenehmes Lesetempo trifft bei ihm auf lebendige Intonation, klare Aussprache und subjektiverweise gefällt mir seine Stimme eben auch sehr gut.

Ich will gar nicht behaupten, dass ich jede Stephen King Geschichte gut finde (die große Mehrheit aber tatsächlich schon), aber kombiniert mit derartig guten und sympathischen Sprechern, werden Stephen Kings Hörbücher zum sehr kurzweiligen Hörvergnügen. Wer King nicht kennt, sollte sich von den teilweise martialisch klingenden Titeln nicht abschrecken lassen. Die Angst und das Grauen, die King erwecken möchte, erwachsen nicht aus Blutrünstigkeit oder grober Gewalt. Viel mehr spielt er mit Themen, die oft „fantastisch“ und damit beunruhigend sind, sehr oft aber auch erschreckend realistisch daherkommen.

King, so beschreibt er es selbst in einem Vorwort, setzt sich dabei mit Dingen auseinander, die in ihm selbst „Angst“ auslösen und diese versucht er auf seine Leser zu übertragen.

 

Jo Nesbø

„Rotkehlchen“

Ullstein

ISBN: 978-3-548-25885-0

 

Stephen King

„Nachtschicht“

Lübbe Audio

ISBN: 978-3-7857-4669-1

 

„Das Pfefferkuchenmädchen“

Random House Audio

ISBN: 978-3-8660-4995-6

 

„Basar der bösen Träume“ + „Im Kabinett des Todes“

Random House Audio

nur als Download erhältlich

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