29. Mai 2020

Krimireihen: Christian v. Ditfurth: Die WG in der Sonnenallee

 

 

 

 

 

 

Bei der Suche nach Büchern von Christian v. Ditfurth tauchen viele Einzelromane mit politischen Inhalten auf. Sie scheinen interessant zu sein, ich habe allerdings noch keines zugekauft. Ich war nämlich an der zweiten Serie hängen geblieben:

V. Ditfurth hat eine freakige, wunderbar skurrile Wohngemeinschaft in Berlin erdichtet. Bewohner*innen der WG in der Sonnenallee sind: Matti, Dornröschen, Twiggy und Robbi.

Matti ist Taxifahrer in Berlin. Sein Glück bei Frauen ist nicht legendär. Dornröschen ist die einzige Bewohnerin der WG, unglaublich klug, nicht zu schlagen in jedem Kartenspiel, weshalb die WG´ler nur noch Mau – Mau spielen, und immer sehr müde. Bei der Aufzählung wird schon klar: Twiggy ist ein Mann. Er ist sehr dick und ein wirklicher Organisator. Da gibt es zum Beispiel diese neue Espressomaschine. Und Robbi ist, was mich als einer von BücherKaterTee besonders erfreut: Ein Kater. Die Mitglieder der WG sind sich einig, Robbi redet nur aus einem Grund nicht: Er hat ein Schweigegelübde abgelegt. Dornröschen ist mit Robbis Ernährung nicht einverstanden – sicher werden wegen seiner Mahlzeiten die Thunfische überfischt.

Die Reihe ist leider sehr überschaubar ausgefallen. Nach drei Fällen hat v. Ditfurth Schluss gemacht. Leider. Dieser Kosmos von Altsozis, Kommunarden und Ex – Kämpfern in dem die Menschen Platten – Rosi, Gerhart mit T, oder einfach nur Ulcan (Mattis Chef) heißen und in dem der Kommissar Schmelzer, der seine Halbglatze mit einer langen grauen Haarsträhne und viel Pomade zu verstecken versucht, diesen Alt – Revoluzzern immer noch hinterhersteigt, funktioniert sehr gut. Bei den unterschiedlichen Kriminalfällen, in die die WG´ler eigentlich immer durch Matti verstrickt werden, ist es schon gut mit dem ersten Buch anzufangen, denn manchen Menschen wird später wiederbegegnet. Dass diese Geschichten durch Mattis nicht legendäres Glück bei Frauen keine besonders positiven Wendungen erfahren, macht es für Matti nicht einfacher.

Trotz Skurrilität und Alt-68ertum passieren in Berlin Morde. V. Ditfurth zeigt auch in dieser Minireihe, dass er sich eingehend mit deutscher Geschichte und Politik befasst hat. Er baut auf Lokalkolorit, bekannten zeitlichen Trends und profunde wirkender Kenntnis von Berlin erneut eine Welt aus Menschen, Motiven und Möglichkeiten zusammen, die glaubwürdig wirkt und in der ich als Leser sofort Sympathien verteile.

In den Handlungen der WG – Krimis werden alte Freunde ermordet, detektivisch geführte Verfolgungen jämmerlich an die Wand gefahren, alte (Klassen-)Kämpfe beendet und überraschend menschliche Freundlichkeiten erlebt. Ach ja, Liebe gibt`s auch. Das mit dem Happy End ist jedoch so eine Sache.

Sollte ich dazu gezwungen werden, würde ich die WG-Reihe zu meiner Lieblingsreihe von von Ditfurth wählen.

 

Christian v. Ditfurth

Tod in Kreuzberg 2012

Carl´s books

ISBN: 978-3-570-58509-2

Das Dornröschen-Projekt 2013

Carl´s books

ISBN: 978-3-442-74621-7

Ein Mörder kehrt heim 2013

Carl´s books

ISBN: 978-3-570-58518-4

 

 

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Über Klaus Daniel 178 Artikel
Aufgewachsen bin ich mit Karl May. Tom Sawyer war ein Held meiner Kindheit. In Onkel Toms Hütte wollte ich einmal leben. Mein Hund sollte Jerry heißen. Ohne zu Lesen geht es nicht. Dabei ist kein Genre ausgeschlossen. Ich liebe Geschichten mit Happy End.